Behinderte Kinder

Der Kampf um Anna-Kristin

Wie alle Eltern behinderter Kinder erlebten auch Birgit und Haiko Soboll das „freudige Ereignis“ Geburt als schlimmen Schock. Ihre Tochter Anna-Kristin hat das Down-Syndrom; sie ist, wie man früher sagte, „mongoloid“. Fünf Jahre später machen die Sobolls anderen Eltern Mut.

Die Mitteilung des Arztes nach Anna-Kristins Geburt traf uns wie ein Schock: „Ihre Tochter ist mongoloid.“ Warum ausgerechnet wir? Was hatten wir falsch gemacht? Was würde jetzt aus unseren Zukunftsplänen? Würden die Verwandten und Freunde uns mit diesem Kind alleine lassen? Wir empfanden Anna-Kristins Behinderung als schreiendes Unrecht; vor allem Birgit stürzte darüber in eine tiefe Glaubenskrise.

Das Leben mit Anna-Kristin kostete uns viel Mühe. Wir begannen sofort mehrere Therapien (Krankengymnastik, Frühförderung, später auch Logopädie) und suchten die verschiedensten Fachärzte auf; im ersten Jahr war Birgit Tag für Tag mit Anna-Kristin unterwegs, meist stundenlang. Um viele Hilfen, die uns zustehen, mussten wir mühsam kämpfen. Selbst bei Menschen, die es eigentlich besser wissen müssten, begegneten wir Vorurteilen, die uns das Herz und das Leben schwer machten – so erklärte uns ein Amtsarzt: „Gott sei Dank sterben diese Kinder ja früh.“

Doch Anna-Kristin machte Fortschritte. Sie konnte mit neun Monaten krabbeln, mit 14 Monaten frei laufen; seit ihrem dritten Geburtstag ist sie Tag und Nacht trocken. Heute geht sie in einen ganz normalen Kindergarten.

Bei unserem Kampf um unsere Tochter haben wir viel Unterstützung erfahren. Ärzten und Schwestern im Krankenhaus verdanken wir wertvolle Tipps. Freunde und Verwandte nahmen Anna-Kristin genauso an wie wir. Die „Lebenshilfe“ und der „Arbeitskreis Down-Syndrom“ halfen uns mit Fachinformationen. Selbsthilfegruppen für Eltern mit gesunden und behinderten Kindern, Krabbel- und Spielgruppen nahmen uns und Anna-Kristin freundlich auf. Nachbarskinder passen auf dem Spielplatz auf Anna-Kristin auf.

Am meisten half uns Anna-Kristin selbst. Ihre Lebensfreude und Fröhlichkeit entschädigen uns für alle Mühe. Wir wissen, dass sie auch in Zukunft viel Hilfe und Liebe braucht, dass sie Defizite hat und immer haben wird. Aber wir fühlen uns als ganz normale, glückliche Familie.

Hilfreiche Informationen und Adressen finden Eltern von behinderten und chronisch kranken Kindern über den Verein „Kindernetzwerk e.V.“, www.kindernetzwerk.de, oder unter www.intakt.info. Diese vom Familienbund der Katholiken im Bistum Würzburg getragene Internetplattform will Unterstützung für den Alltag geben, beantwortet Fragen rund um das Kind – egal ob es gerade erst auf die Welt gekommen oder bereits erwachsen ist – und bietet feste Chat-Termine.