
Worte der Bibel
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht über dir
leuchten und sei dir gnädig.
Der Herr wende sein Angesicht dir zu
und schenke dir Heil.
Num 6, 24-26

Chancen und Handikaps
Jedes Kind ist einmalig
Eltern von mehreren Kindern stellen immer wieder erstaunt fest, wie unterschiedlich Geschwister sich entwickeln und wie einmalig jedes Kind von Anfang an ist.
Jedes Kind bringt nicht nur seine eigenen Erbanlagen mit auf die Welt. Es war auch im Mutterleib und unter der Geburt ganz eigenen Einflüssen ausgesetzt. Dadurch unterscheidet es sich von jedem anderen Menschen. Es hat seine ganz einmaligen Entwicklungsmöglichkeiten – und auch Einschränkungen.
Wunschbilder vom Leben mit dem Kind prägen die Beziehung zu ihm schon vor der Geburt mit, sie können aber zum Problem werden, wenn das Kind diesen Bildern nicht entspricht. Deshalb sind Geburt und die ersten Lebensäußerungen des Säuglings Augenblicke voller Hoffnungen und Ängste. Gerade beim ersten Kind sind viele Eltern sehr unsicher; sie fragen sich, was „normal“ ist, vergleichen, freuen sich über jeden Fortschritt und werden ängstlich, wenn sich bestimmte Entwicklungsschritte nicht einzustellen scheinen. Dann lohnt sich ein Gespräch mit dem Kinderarzt. Er (oder sie) kann oft schon sehr bald – etwa im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen – sagen, ob sich ein Kind altersgemäß entwickelt oder ob es Hinweise auf Abweichungen gibt, und es womöglich und -nötig an eine Frühförderstelle oder an andere Spezialisten überweisen. Manche Behinderungen können schon vor der Geburt oder unmittelbar danach festgestellt werden, andere werden dagegen erst im Laufe der Entwicklung deutlich.
Vor allem in den ersten Lebensmonaten verläuft die Entwicklung nach relativ festen Regeln. In Entwicklungsbereichen wie Sehen und Hören, Sprache, Körperkontrolle und sozialem Verhalten lässt sich schon sehr früh feststellen, ob bedeutsame Rückstände auftreten oder im Laufe der nächsten Monate zu erwarten sind. Und darin liegt eine große Chance für jedes Kind, denn vor allem in diesen frühen Monaten kann Fehlentwicklungen wirksam begegnet werden.
Jedes Kind braucht in jedem Alter für seine Entwicklung Unterstützung und bestimmte „Schlüsselreize“. Fehlt die Unterstützung, so bleibt das Kind hinter seinen eigentlichen Möglichkeiten zurück. Besonders wichtig sind in den ersten Monaten Haut- und Blickkontakte, wie sie bei einer liebevollen Pflege des Säuglings ganz natürlich gegeben sind. So baut das Kind Interesse und eine positive Beziehung zu seiner Umwelt auf. Soziales Verhalten und Beziehungsfähigkeit werden gefördert.
Auch das „normal entwickelte“ Kind hat Vorlieben, besondere Begabungen und Fähigkeiten – und andererseits gibt es Bereiche, für die es nur in beschränktem Maß Interesse hat oder begabt ist. Dies macht letzten Endes das Eigenständige und die Persönlichkeit eines Menschen aus.
Für die Eltern gilt es, mit der Geburt ihres Kindes Abschied zu nehmen von ihren Idealvorstellungen und ihr Kind so anzunehmen, wie es ihnen geschenkt ist: mit seiner Schönheit, seinen Fähigkeiten, seinen Ähnlichkeiten und seinen Handikaps. Nur dann geben sie ihm die Chance, die eigenen Möglichkeiten zu entfalten und einen ihm gemäßen Lebensweg zu finden.






