Partnerschaft

„Du bist ja nur noch für das Kind da“

Ein Neugeborenes kann die Beziehung der Eltern nachhaltig verändern. Nicht nur, dass eingespielte Lebensgewohnheiten und der äußere Tages- und Nachtablauf auf den Kopf gestellt werden. Auch die Gefühle in der Familie werden neu verteilt. Vordergründige Eifersüchteleien („Meine Frau ist jetzt nur noch für ihren Sohn da.“) sind oft spaßig gemeint und kurzlebig. Sie weisen aber mitunter auf Änderungen im Gefühlsleben des Paares hin, die sogar zu einer Krise der Beziehung führen können. Das Kind beansprucht Zeit und Energien, die nicht mehr für den Partner zur Verfügung stehen; gemeinsame Freizeitaktivitäten lassen sich nicht mehr in der gewohnten Form fortsetzen, und bei Besuchern ist das Baby – nicht das Leben des Paares – Hauptthema.

Frauen können jetzt ein besonderes Bedürfnis nach Zärtlichkeit haben. Hormonelle Umstellungen, körperliche Erschöpfung oder Beschwerden können aber auch zu mehr Zurückhaltung dem Partner gegenüber führen. Männer können die junge Mutter als schön und attraktiv erleben. Es kann aber auch sein, dass sich Scheu und Befangenheit ihr gegenüber einstellen. Körperliche Nähe zwischen Kind und Mutter scheint selbstverständlich, die zwischen Frau und Mann nicht mehr.

Auch die unterschiedlichen Rollen führen zu Konflikten. Der eine versteht plötzlich den anderen nicht mehr, weil der Alltag im Haushalt und im Beruf zu verschieden ist. Zwar erklären sich immer mehr Männer bereit, die Aufgaben hier wie dort mit ihren Frauen partnerschaftlich zu teilen, und spielen und schmusen gerne mit ihren Kindern. Trotzdem schleicht sich in sehr vielen Familien unversehens die traditionelle Rollenaufteilung ein – er geht arbeiten, sie bleibt zu Hause. Der weitaus größte Teil der Grundversorgung des Babys sowie die Hausarbeit bleiben dadurch weiterhin den Müttern überlassen. Mit den Partnermonaten“ beim Elterngeld (in denen Familien das Elterngeld nur noch bekommen, wenn auch der stärker im Beruf engagierte Elternteil der Familie zuliebe kürzer tritt) versucht die Politik einen (zarten) Anstoß, das zu ändern. Für viele Frauen, die bislang erwerbstätig waren, bedeutet die Rolle als Mutter und Hausfrau einen gewaltigen Einschnitt. Es kostet Kraft und Nerven, ausarbeit und Betreuung des Kindes gleichzeitig zu schaffen. Oft sehen die Frauen selbst am Abend nicht, was sie den ganzen Tag über bei der Versorgung von Kind und Haushalt geleistet haben.

Eine allgemeine Lösung dieses Problems gibt es nicht. Aber es ist schon viel gewonnen, wenn die Partner offen über die neue Situation und auch über die Schwierigkeiten miteinander sprechen. Vor allem der Feierabend und das Wochenende bieten Möglichkeiten, sich partnerschaftlich um Kind und Haushalt zu kümmern und der Mutter Freiraum zu verschaffen. Freiraum, in dem sie auftanken, eigenen Interessen nachgehen und ihr vielleicht angeknackstes Selbstbewusstsein wieder aufmöbeln kann.

Bei aller Liebe und Zuwendung zum Kind sollten Eltern daran denken, ein Leben als Paar zu führen, und sich bewusst Möglichkeiten schaffen, losgelöst vom Baby, Schönes und Vertrautes miteinander zu erleben. Und sie sollten sich fragen, ob sie sich nur noch als Mutter und Vater wahrnehmen oder auch noch – oder neu – als Frau und Mann.