

Das erste Jahr mit dem Kind
Ein Geschenk Gottes
Andreas’ erster Geburtstag war ein besonderer Tag. Hier wurde uns Eltern neu bewusst, welch ein großes Geschenk unser Kind ist. Was war in diesem einen Jahr seit seiner Geburt nicht alles geschehen: so viele schöne Erlebnisse, so viele schwierige Momente, so viel Zärtlichkeit, so viel Chaos, so viel zahnloses Lächeln, so viel wütendes Geschrei! Wir staunen über diesen kleinen selbstbewussten Menschen, der die Welt immer mehr erobert, über seine Ausdauer und Zielstrebigkeit bei dem Versuch, auf eigenen Beinen zu stehen. Sein Wille und Mut bleiben ungebrochen trotz vieler Stolperer und Schrammen. Mit immer geschickteren Händen ergreift er jede Gelegenheit, die Dinge zu erkunden. Wie funktioniert dieser Apparat? Was kann ich mit jenem Teil machen? Und dann der Triumphschrei, wenn das Ding sich dem Willen seines Eroberers beugt – da hört man die Lust am eigenen Können und Wollen, da ist das lobende Wort von Mutter oder Vater nur eine schöne Beigabe.
Unser Kind nimmt die Welt um sich herum mit allen Sinnen auf und gestaltet sie selbst mit. Sie mit ihm neu zu entdecken, das ist für uns Eltern eine Chance, uns ein Stück dieser Kindlichkeit zu erhalten.
Barbara Biel
Als Jakob ein Jahr alt war, haben wir ihn zum ersten Mal für ein paar Tage bei der Oma gelassen. Ich hätte nie gedacht, wie schwer mir der Abschied fallen würde. Als ich heulend im Auto saß, wurde mir bewusst, welch großes Geschenk Jakob für mich ist.
Im vergangenen Jahr hat Jakob viel von uns gelernt. Aber umgekehrt habe auch ich viel von Jakob erfahren: sein totales Vertrauen, wenn er sich von der Wickelkommode in meine Arme fallen lässt; seine durch Schreien und Klatschen ausgedrückte Freude über alltägliche Dinge (ein Glas Mineralwasser, das Anzünden einer Kerze, schwimmen gehen); sein großes Bedürfnis nach Schmuseeinheiten, nach „Drücken“.
Auch traue ich mich, Dinge zu tun, die mir vor Jakobs Geburt schwer gefallen sind. So drücke ich meine Freude durch Singen aus – sehr zum Leidwesen der Zuhörer. Der Vaterstolz kam bisher auch nicht zu kurz. Als ich letztens aus dem Büro kam und die Tür aufschloss, hörte ich: „PAPA!“ Dieses eine Wort ließ mich zwei Tage wie auf Wolken schweben.
Natürlich gab es auch Zeiten, in denen die Nerven blank lagen, ich mich unsicher fühlte oder kurze Nächte verbrachte. Aber das alles wiegt lange nicht das Geschenk Gottes auf – ein Geschenk, das ich nicht erarbeitet oder verdient habe, das unbeschreibliches Glück für mich bedeutet.
Ulrich Schwering
Nie zuvor hatte sich in meinem Leben so viel verändert wie durch Sarahs Geburt. Schon bei den alltäglichen Dingen: Zeitweilig schlief ich keine Nacht mehr durch. Meine Essgewohnheiten änderte ich, damit mein Stillkind weniger Blähungen bekam, und später, damit Sarah meine Mahlzeiten mitessen konnte. Kleider, Röcke, Blusen blieben im Schrank, leicht Waschbares wurde Standard. Die Wohnung wurde kindersicher umgeräumt. Wann und wie ich meine Arbeit bewältigte, richtete sich nach meiner Tochter. Mein Tag war gefüllt, es blieb viel weniger Raum für Freizeit, Raum für mich; immer war mein Kind dabei. Die Freunde in der Ferne hörten und sahen uns seltener, und die neuen Freunde am Wohnort hatten selbst Kinder. Auch unsere Ehe veränderte sich; da war nun fast ständig jemand Drittes dabei.
Vieles war gewöhnungsbedürftig, und mitunter fühlte ich mich am Ende meiner Kräfte. Aber rückblickend wird mir klar, wie viele neue Erfahrungen ich gemacht habe: dass auch Erwachsene sich über den ersten Schnee oder die Vögel am Himmel freuen dürfen; dass ich bei knapper Freizeit überlegen muss, was mir wirklich wichtig ist (das Fernsehen zum Beispiel nicht); dass die berufliche Arbeit nicht alles ist und es Aufgaben gibt, die mich viel unmittelbarer erfüllen. Nie hatte ich zuvor so sehr das Gefühl, gebraucht zu werden, ich ganz persönlich. Nicht zuletzt habe ich gelernt, mich selbst in einem ganz neuen Maß zurückzunehmen. Ich bin dankbar für diesen Selbsterfahrungskurs der ganz besonderen Art!
Andrea Königs






