
Probesitzungen
Noch zu früh fürs Töpfchen
Für Versuche mit Töpfchen oder Toilette ist es jetzt noch zu früh. Aus falschem Ehrgeiz erzwungene Probesitzungen würden Eltern und Kind gleichermaßen frustrieren, weil Sohn oder Tochter frühestens mit anderthalb bis zwei Jahren die Schließmuskeln von Blase und Darm unter Kontrolle haben wird.

Sexualität und Sinnlichkeit
Liebe geht durch die Haut
Viele Eltern wissen nicht, wie sie reagieren sollen, wenn sie sehen, wie das Glied ihres kleinen Sohnes beim Wickeln steif wird oder wie die kleine Tochter ganz offensichtlich Lust dabei empfindet, wenn sie beim Baden zufällig ihre Scheide berührt.
Kinder erleben ihre Sexualität, aber sie erleben sie anders als Erwachsene: unmittelbar, unreflektiert, auf sich selbst bezogen. Und sie gehen ganz natürlich damit um. Genau das sollten auch die Eltern tun.
Durch Schimpfen oder andere ablehnende Reaktionen erreichen sie nur, dass das Kind seine lustbringenden Handlungen heimlich und mit schlechtem Gewissen fortsetzt und auch später seine Sexualität mit Heimlichkeit und schlechtem Gewissen verbindet. Dabei sollten Kinder jetzt und später als Erwachsene ihren Körper mitsamt der Sexualität doch als etwas Schönes und von Gott Gewolltes erleben.
Wie sehr der Mensch ganz aus seinem Körper heraus existiert, lässt sich an den Kindern beobachten: wie sie mit allen Sinnen leben und die Welt erleben. Ein Kind hört Autos brummen, Vögel zwitschern, die Eltern singen. Es spürt, dass die Sonne wärmt und der Wind ihm ins Gesicht bläst. Es riecht die Blumen, das frisch gemähte Gras und die regennasse Erde. Es fühlt die rauhen Bartstoppeln des Vaters an seinem Gesicht und dessen warme weiche Hand über Bäuchlein und Rücken streichen.
Wenn Eltern die wachen Sinne ihres Kleinen anregen, wenn sie viel mit ihm schmusen und zärtlich zu ihm sind, fördern sie seine Offenheit und Empfindsamkeit. Durch ihre Wärme lernt der kleine Mensch, auch selbst gut zu sich zu sein und sich so, wie er ist, anzunehmen und zu genießen.
Das Kind in seiner sexuellen Entwicklung annehmen heißt aber auch, dass Vater und Mutter die Grenzen körperlicher Annäherung respektieren. Sie sollten das Kind nicht gegen seinen Willen mit Liebkosungen überschütten und zum Beispiel ständig Küsschen von ihm verlangen. Vielmehr sollten sie es darin bestärken, sich gegen ungewollte Annäherungen – auch wenn sie von noch so lieben Verwandten oder Freunden ausgehen – entschieden zu wehren.
Sexualerziehung kann sich nicht auf den Wickeltisch beschränken, sondern ist in das gesamte Umfeld von Leben und Erleben eingebettet. Das Kind erlebt, wie die Eltern zärtlich oder rücksichtslos miteinander und mit ihm umgehen, ob man sich in der Familie gegenseitig achtet oder verletzt, liebt oder ablehnt. Von der Qualität dieser Erfahrung hängt wesentlich ab, welche Einstellung es mit der Zeit zu sich selbst, zu seinem Körper und zu seiner Sexualität gewinnt.






