Drei Männer erzählen

Wie das Vatersein mein Leben veränderte

Väter wollen und sollen sich heute mehr als früher um Erziehung und Betreuung der Kinder kümmern. Wie leben und erleben Männer heute ihre Vaterrolle? Drei Väter erzählen von ihren Erfahrungen.

„Du darfst heute nicht zur Arbeit gehen, Papa. Du musst bei mir bleiben!“ Weinend umklammert mein dreijähriger Sohn mein Bein und versucht mich daran zu hindern, die Wohnung zu verlassen. In solchen Momenten werde ich wütend auf meinen Job. Eigentlich macht er mir ja großen Spaß. Aber oft genug bleibt meine Familie dabei auf der Strecke: unregelmäßige Arbeitszeiten, oft Wochenenddienst, mehrtägige Dienstreisen, Überstunden. Dabei wollte ich immer ein Vater sein, der Zeit für seine Kinder hat.

Und dann ist da das Gefühl, auch für die wirtschaftliche Absicherung meiner Familie verantwortlich zu sein. Und die Sorge, ob ich meine Arbeit behalten werde, wenn ich da nicht so mitmache, wie man es von mir erwartet.

Ich empfinde eine tiefe Zerrissenheit zwischen meiner Familie einerseits und meiner Arbeit andererseits. Familie und Beruf sind auch für Väter oft schwer vereinbar.

Rolf Faymonville

 

Zwanzig Monate sind die Zwillinge jetzt alt, so alt wie unsere „Große“, als die beiden Kleinen zur Welt kamen. Seit gut drei Jahren bin ich also mittlerweile Vater, und seitdem hat sich viel in meinem Leben verändert. Sicher: Ausschlafen kann ich kaum noch, denn um sechs Uhr früh wecken uns die Kleinen jeden Tag. Trotzdem überwiegen die schönen Momente mit den Kindern. Gemeinsam mit ihnen kann ich spielen, toben, schmusen und die Welt neu entdecken.

Wie das Vatersein mein Leben veränderteUnvergessen ist zum Beispiel der erste Wochenendausflug, den ich „allein“ mit den Kindern und fünf anderen Vätern samt Anhang unternahm. Als die Kinder abends friedlich schlummerten, saßen wir Väter noch zusammen, geschafft, aber glücklich: „Wie schön: Keiner, der sagt, dass das doch viel zu gefährlich ist, ob die Kinder auch warm genug angezogen sind oder vor dem Essen die Hände gewaschen haben!“ Genau das ist es, was die Kinder von mir und ich von ihnen haben: einmal gemeinsam aus dem Alltag ausbrechen zu können. Diese „Vätertouren“ sind für uns inzwischen zur festen Einrichtung geworden.

Aber auch die kleinen, ganz alltäglichen Dinge sind für mich von großer Bedeutung: das abendliche Vorlesen, das Planschen in der Badewanne, die schier unendliche Geduld beim Puzzeln und Türmchenbauen, das Trösten, wenn das spannende Erobern der Welt mal kleine Blessuren mit sich bringt. Wie schön, wenn unser Tag schon um sechs Uhr beginnt. Dann haben wir mehr Zeit füreinander.

Norbert Zimmermann

 

Als ich vor vielen Jahren Vater wurde, hatte ich über Ehe und Familie noch „herr“-liche Vorstellungen. So verband ich mit dem Vaterwerden zum Beispiel nicht den Wunsch, mich partnerschaftlich um Kinderpflege, Windelwechseln und Flaschegeben zu kümmern. Vielmehr war ich mir meiner Unfähigkeit, mit ganz kleinen Kindern umzugehen, voll bewusst. Deshalb wollte ich dies ganz meiner Frau überlassen. Erst zwei, drei Jahre nach der Geburt glaubte ich, als Vater in Sachen Erziehung und Beschäftigung mit den Kindern aktiv werden zu können. Hinter meiner Vorstellung vom Vaterwerden standen nicht nur massive Ängste vor dem Umgang mit so hilflosen kleinen Geschöpfen, sondern auch eine große Portion Bequemlichkeit.

Meine Vorstellungen wurden allerdings von Anfang an gehörig durchkreuzt. Mit dem ersten Kind aus dem Krankenhaus entlassen, wurde meine Frau zu Hause so krank, dass ich mich zwei Wochen lang allein um beide kümmern musste. Verwandtschaftliche Hilfe war nicht in Sicht, und so galt es, irgendwie mit dieser Lage fertig zu werden. Sobald meine Frau wieder bei Kräften war, wurde ich erst mal krank, um mich wieder zu erholen. Doch der Schock war heilsam: Meine Angst und das fehlende Zutrauen im Umgang mit Säuglingen waren überwunden. Und mit der Zeit bekam ich Spaß am Umgang mit meinem Sohn – unangenehme Geschäfte eingeschlossen.

Die damalige Überforderung war für mich ein Glück. Ich habe Lust auf weitere Kinder bekommen. Zu allen drei Söhnen habe ich ein inniges, freundschaftliches Verhältnis aufbauen können. Ohne die Notlage nach der Geburt des ersten wäre ich sicher ein Vater geworden, der mit seinen Kindern nicht viel anzufangen weiß – was mir selbst wohl am meisten geschadet hätte.

Curt Seligmann