

Das Zweite Kind
„Da ist ein Baby drin!“
Bei der zweiten Schwangerschaft ist vieles anders. Neben dem Baby im Bauch müssen die Mütter jetzt auch noch ein Kind auf dem Arm versorgen. Eine Mutter erzählt von ihren Erfahrungen.
Vincent war knapp zweieinhalb Jahre alt, als ich wieder schwanger wurde. Aber sollten wir ihm gleich davon erzählen? Wir entschieden uns anders, zumal die Schwangerschaft sich nicht problemlos anließ. So erzählten wir ihm die große Neuigkeit erst im vierten Monat. Der Zeitpunkt schien günstig; einige Frauen im Bekanntenkreis hatten gerade Babys bekommen oder standen kurz vor der Geburt, taugten also gut als „Anschauungsobjekte“. Vincent, verständig und sprachgewandt, trumpfte auch gleich bei nächster Gelegenheit auf, zeigte auf den runden Bauch einer Freundin und verkündete: „Da ist ein Baby drin, stimmt’s? Das weiß ich! Meine Mama hat nämlich auch ein Baby im Bauch!“
Trotzdem versuchten wir das Thema klein zu halten. In diese Zeit fiel nämlich auch Vincents Start in den Kindergarten, und bei der Trennung am Morgen weinte er oft noch. Unsere Sorge, er könnte den Kindergarten als „Abschiebung“ empfinden, bestätigte sich aber glücklicherweise nicht.
Mich selbst belastete neben einer ständigen leisen Angst um das Ungeborene zunehmend der Zeitdruck: Kind abgeben, zur Arbeit, Kind abholen, Mittagessen, Haushalt, Spielplatz … Und während bei der ersten Schwangerschaft alles so spannend war, vermisste ich jetzt Zeit für Seele und Körper. Immerhin fühlte ich mich deutlich gelassener, da ich als „erfahrene“ Schwangere vieles besser einordnen konnte.
Kurz vor Ende der Schwangerschaft musste ich wegen einer Lungenentzündung für eine Woche ins Krankenhaus. Bis dahin war Vincent gelassen und mit kindlich-freudiger Spannung an die Sache mit dem Baby herangegangen. Doch der außerplanmäßige Klinikaufenthalt warf ihn aus der Bahn. Deshalb zeigte er zwei Wochen später, als die Geburt sich ankündigte und wir ihn zu Oma und Opa brachten, eher Misstrauen als Vorfreude. Und die kleine Schwester war für ihn zunächst eher Nebensache. Viel körperliche Nähe zu mir und meinem Mann und ein paar Geschenke von aufmerksamen Freunden „für den großen Bruder“ machten ihm die Sache dann doch sympathischer. Auf die Frage „Na, wie findest du deine kleine Schwester?“ reagierte er aber nach wie vor ungnädig: „Oh, Mama, können die nicht mal was anderes fragen?“
Christina Wiemer






