Atempause

Lebe deine Worte
Mit deinem Mund
wirst du
die Welt entdecken,
spielend wirst du
Worte formen,
strahlend
ihre Kraft entdecken,
küssen wirst du,
zärtlich sein.
Dein Mund
wird Fragen stellen,
aber auch
Antwort geben.
Mehr und mehr
wird deine Sprache
Ausdruck deiner
Persönlichkeit werden.
Dein Ja sei ein Ja,
dein Nein sei ein Nein.
Lebe deine Worte.

Verfasser unbekannt

Wenn das Zweite kommt

Entthronte Kronprinzen

Entthronte KronprinzenWie würde sich eine Frau fühlen, zu der ihr Ehemann sagt: „Ich bin so glücklich mit dir, Schatz, dass ich noch eine Frau geheiratet habe. Damit sie sich gut einlebt, muss ich mich mehr um sie als um dich kümmern. Sei bitte auch lieb zu ihr.“ So ähnlich wie diese Frau kann ein Kind sich fühlen, wenn es ein Geschwisterchen bekommt.

Eifersucht ist eine ganz natürliche Reaktion. Sie tritt bei Kindern mal stärker und mal schwächer auf. Heftig trifft es Mütter und Väter, wenn die „Großen“ plötzlich pausenlos nach Mama quengeln und den Kakao aufs Sofa kippen, sobald sie das Baby stillt. Oder wenn ein „sauberes“ Kind wieder in die Hose macht. Spätestens wenn das Erstgeborene dem Rivalen mit den Fingernägeln zu Leibe rückt, hört auch für die geduldigsten Eltern der Spaß auf.

Selbst Mütter und Väter, deren Kinder scheinbar „lieb“ sind, freuen sich manchmal zu früh. Vielleicht verkriecht sich der entthronte Kronprinz nämlich nur in sich selbst, fällt deshalb nicht auf – und kommt erst recht zu kurz.

Eifersüchtige Zwerge brauchen neben klaren Grenzen („Das darfst du nicht, das tut dem Baby weh!“) vor allem Geduld und Verständnis. Gut, wenn ihre Eltern sich immer wieder bewusst machen: Die Kleinen bewältigen gerade eine gewaltige Entwicklungsaufgabe; auf lange Sicht wird ihnen das Leben mit dem Geschwisterchen sehr zugute kommen. Und: Die übermächtigen Gefühle, die die „Großen“ jetzt heimsuchen, sind nicht „böse“ – auch wenn das für gestresste Eltern manchmal so wirkt; sie können diese Empfindungen nur nicht wie Erwachsene „vernünftig“ ausdrücken und verarbeiten. Manche Kinder zeigen in ihrem Verhalten sehr deutlich, dass sie zwischen Anhänglichkeit und Trotz hin- und hergerissen leiden.

Das könnte ihnen helfen

  • sie schon in der Schwangerschaft daran gewöhnen, kurze Zeiten mit anderen erwachsenen zu verbringen – ohne Mama;
  • Verständnis zeigen: „Ich weiß: Du glaubst, die Mama mag nur noch das Baby, und fühlst dich jetzt manchmal allein.“
  • dem Kind – vielleicht mit Hilfe von Fotos – erklären: „Du hast früher dasselbe bekommen wie das Baby jetzt.“
  • Besucher bitten, das ältere Kind genauso zu beachten wie das Baby;
  • auf Rückfälle ins Baby-Alter („Ich will auch an der Brust trinken!“) wie auf ein Spiel eingehen;
  • jede Regung von Selbstständigkeit fördern und das Kind, wenn es möchte, in die Versorgung des Babys einbeziehen;
  • möglichst oft etwas mit ihm allein unternehmen.

Auf keinen Fall brauchen Eltern wegen ihrer Familienplanung Mitleid mit dem Erstgeborenen zu haben oder gar ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Sie können darauf vertrauen: Ihr Kind wird diesen Lernprozess bewältigen.