

Mit Aggressionen umgehen
Klare Genzen setzen und Verständnis zeigen
Aggressiv? Wenn andere von ihrem Kind sagen, es sei aggressiv, dann verstehen viele Eltern das als Vorwurf und Kritik an ihrer Erziehung. Lebhaft sei ihr Kind schon, erklären sie dann, und wenn es angegriffen werde, wehre es sich auch. Aber aggressiv?
Solche Gespräche beleuchten: „Aggressivität“ gilt den meisten Menschen als negativ, gewissermaßen als Gegenteil von angemessenem sozialen Verhalten.
Andererseits: Ein bisschen „Aggression“ wünschen die meisten Eltern ihren Kindern durchaus. Denn das heißt zunächst nichts anderes als „Auf etwas zugehen“, das Gegenteil also von „Sich zurückziehen“. Und ein ruhiges und zurückgezogenes Verhalten ist zwar oft angenehm, kann aber auch bedeuten, dass ein Kind Auseinandersetzungen scheut. Da ist es vielen doch lieber, wenn ihr Kind seine Interessen vertreten und sich durchsetzen kann.
Nur: Was ein wünschenswertes Maß an Durchsetzungsfähigkeit ist, daran scheiden sich die Geister. In den Augen der einen ist „gesunde Selbstbehauptung“, was andere als „Rücksichtslosigkeit“ bezeichnen. Und: Kinder, die immer den Ton angeben und „Räuberhauptmann“ sein wollen, mögen ihre Eltern mit Stolz erfüllen; unter den Spielgefährten sind sie dagegen nicht unbedingt die beliebtesten.
Aufgespießt
Bevor ich heiratete, hatte ich sechs
Theorien über Kindererziehung.
Heute habe ich sechs Kinder und
keine Theorie.
John W. Rochester
Daneben schwingt in dem Wort „Aggressivität“ allerdings noch etwas anderes mit: dass ein Kind nämlich „unter Strom steht“ und Wut-Gefühle nicht kontrollieren kann, sondern sie gegen andere richtet oder ihnen sogar scheinbar „aus Spaß“ weh tut.
Meist weisen solche Aggressionen daraufhin, dass es einem Kind nicht gut geht. Aggressivität ist also ein Notsignal – für die Erwachsenen ein Anlass nachzudenken, worauf ein Kind damit reagiert. Fühlt es sich zurückgesetzt? Oder überfordert? Hat irgend etwas sein Leben einschneidend verändert?
Die Geburt eines Geschwisterchens, ein Umzug, der Kindergarten? Wenn seine Aggressivität mit solchen Ursachen zusammen hängt, braucht ein Kind Verständnis. Sobald es sich beruhigt hat, sollten die Eltern deshalb mit ihm über seine Nöte und sein Verhalten sprechen.
Nichtsdestotrotz: Kinder müssen nach und nach lernen, mit Frustrationen umzugehen und nicht bei jedem Anlass auszuflippen. Nicht alle Wünsche können erfüllt werden; oft sprechen Bedürfnisse von anderen dagegen. Eltern müssen aggressiven Kindern deshalb klare Grenzen setzen, entschieden eingreifen und sie notfalls aus angeheizten Situationen herausnehmen.






