Liebe Mutter, lieber Vater,

als meine Frau und ich am Abend nach dem Abschiedsfest bei Jonas’ Tagesmutter in dem Erinnerungsbuch blätterten, das Margret unserem Ältesten geschenkt hatte, fühlten wir uns fast beschämt. In einem liebevoll gestalteten Ordner hatte sie tagebuchartig festgehalten, was sie in den gut zwei Jahren mit Jonas erlebte: Fortschritte wie den ersten Tag, an dem er nach der Übergabe morgens nicht mehr weinte, seine Lieblingsspiele, erste Kritzeleien, lustige Aussprüche, sein Verhältnis zu den Tagesgeschwistern, aber auch ihre Selbstzweifel, als Jonas nach ein paar Monaten plötzlich nicht mehr von ihr gewickelt werden wollte. „Warum gibt’s nicht so ein Buch von uns?“, fragte Bettina vorwurfsvoll – mehr sich selbst als mich. 

Für Margret gehört es zum professionellen Selbstverständnis, Entwicklungstagebücher für ihre Tageskinder anzulegen. „Es hilft mir, sie genauer zu beobachten und besser zu verstehen“, erklärte sie, als wir später darüber sprachen. 

Klar: Auch Bettina und ich legen Fotoalben an und machen uns Gedanken um die Entwicklung der Kinder. Aber vielleicht würden Tagebücher nach Margrets Vorbild uns dabei mehr und bessere Ideen bringen. Und auf jeden Fall wären sie für die Kinder später mal ein Schatz voll Erinnerungen.

Ihr

Josef Pütz