Liebe Mutter, lieber Vater,

„Du hast meine Schwester mehr lieb als mich!“ Mit solchen Worten setzen Kinder ihren Eltern ganz schön zu. Und gerade darum sind diese Sprüche bei den lieben Kleinen so beliebt.

Wenn Steffi sich die Schuhe schon selbst binden kann, Julia aber nicht, hilft der Vater nur der Jüngeren. Das hat dann nichts mit mehr oder weniger Liebe zu tun. Und in solchen Situationen sollten sich die Eltern durch den Vorwurf der mangelnden Liebe nicht unter Druck setzen lassen.

Dennoch hat dieser Satz auch oft seine Berechtigung. Jedes Kind ist anders und weckt darum auch andere Gefühle. Und jedes Kind hat auch mal schwierige Phasen, in denen der Trotz oder die Aggressivität oder die Anhänglichkeit den Eltern so auf die Nerven gehen, dass sie den Nachwuchs am liebsten für ein paar Wochen in Urlaub schicken würden. Es ist normal, wenn Eltern mal der eine Sohn und mal die andere Tochter mehr liegt. Aber wichtig erscheint mir, sich dies immer wieder bewusst zu machen. Und die Eltern sollten jedes Kind spüren lassen, dass sie es genauso annehmen wie seine Geschwister.

Für Mütter und Väter ist es nicht leicht, das auch in anstrengenden Zeiten deutlich zu zeigen. Aber notfalls fordern die kleinen und größeren Sprösslinge diese Liebe auch ein – mit Worten oder mit Taten. Verstehen wir Eltern ihre Zeichen?

Ihre

Andrea Kipp