Liebe Mutter, lieber Vater,

„Zieh’ bitte eine Mütze an!“ „Warum, Mama? Papa hat auch keine an!“

Wenn’s ums Anziehen geht, lebt meine Frau auf der Venus und ich auf dem Mars. Sie baut auf Textilien, ich setze auf die Abwehrkräfte des Körpers.

Auch sonst erleben unsere Kinder des öfteren, dass Mama hü und Papa hott sagt. Manchmal stecken dahinter unterschiedliche Erfahrungen und Werte, die wir aus unseren Elternhäusern mitgebracht haben, manchmal nur die Tagesform: Wenn ich mich zum Beispiel freue, am Abend mit den Jungen toben zu können, während Bettina sich nach einem Tag voller Kinderlärm nach Ruhe sehnt.

„Aber fehlt euren Kindern so nicht die klare Linie?“, zweifelte kürzlich ein Bekannter. Im Gegenteil: Ich finde, sie verkraften das prima. Sie erleben, dass man verschiedener Meinung sein, sich trotzdem respektieren und Kompromisse finden kann. Außerdem streiten Bettina und ich ja nicht immer; in grundlegenden Erziehungsfragen sind wir ziemlich einig.

Im übrigen versuchen wir uns an einen Satz eines erfahrenen Erziehungsberaters zu halten: „Wer leidet, hat Recht.“ Will sagen: Wer die Folgen ausbaden muss, soll auch entscheiden. Vielleicht achte ich deshalb demnächst doch mehr auf die Mützen. Denn wenn die Jungen sich erkälten, ist in erster Linie Bettina als Krankenpflegerin gefordert …

Ihr

Josef Pütz