Liebe Mutter, lieber Vater,

Luisas Kindergeburtstag – pardon: ihre Party – fand in einem subtropischen Schwimmparadies statt, zu dem ihre Eltern elf Gäste 30 Kilometer weit chauffierten. Zu Arnes Geburtstag mieteten seine Eltern eine Kegelbahn. An Brooklyns erstem (!) Geburtstag ließen die Eltern für 30.000 Dollar unter anderem einen Clown und einen Zauberer auftreten.

Okay, so toll wie die Beckhams, Brooklyns Eltern, treiben normale Familien es mangels Kasse nicht. Aber dass nicht nur das Geburtstagskind Geschenke bekommt, sondern auch die kleinen Gäste mit Tüten voll Süßigkeiten und netter „Erinnerungen“ wieder nach Hause ziehen, das hat sich doch auch unter uns Normalos eingebürgert. Mitten in die Überlegungen, wie wir den nächsten Geburtstag unseres Ältesten zu feiern gedächten, fragte meine Frau plötzlich: „Sind wir eigentlich noch normal?“ Tatsächlich: Steht im subtropischen Schwimmparadies oder beim McDonalds’-Geburtstag wirklich noch das Geburtstagskind im Mittelpunkt? Oder inszenieren Eltern sich hier vor allem selbst als Star-Moderatoren der Show „Glückliche Familie“?

Machen wir’s also lieber eine Nummer kleiner. Nicht unbedingt mit Eierlaufen und Topfschlagen; das ist vielleicht als Retro-Party bei 16-Jährigen wieder angesagt. Clowns und Zauberer dürfen schon sein. Aber wie wär’s denn, wenn das Geburtstagskind und seine Gäste selbst in diese Rollen schlüpfen?

Ihr

Josef Pütz