Liebe Mutter, lieber Vater,

Berichte über sexuellen Missbrauch von Kindern machen Eltern immer wieder Angst. Sie wollen ihr Kind davor schützen. Aber wie? Manche sagen: „Ich lasse mein Kind nicht allein zur Schule gehen.“ Doch irgendwann will es allein gehen, und dann? Andere Eltern sprechen mit ihren Kindern über das, was in der Zeitung steht. Manche Kinder reagieren darauf ängstlich und sehen in jedem Mann, der allein in den Schulbus einsteigt, einen mutmaßlichen Vergewaltiger. Dabei droht die wirkliche Gefahr oft weniger von Fremden als von vertrauten Personen.

Das Kind mit absoluter Sicherheit vor sexuellem Missbrauch zu schützen, ist nicht möglich. Allerdings können Mütter und Väter schon einiges tun, um die Gefahr zu verringern. Vor allem sollten sie ihre Kinder nicht ängstigen, sondern stark machen. Was Kindern helfen kann, lesen Sie in diesem Brief.

Wichtig ist aber auch, dass alle Erwachsenen die Augen nicht verschließen, wenn sie den Eindruck haben, dass ein Kind missbraucht wird. Denn in den meisten Fällen geschieht das nicht durch den „bösen Onkel“ auf der Straße, sondern durch Personen, die dem Kind nahe stehen: Eltern, Großeltern, Verwandte, Nachbarn … Deswegen sind die Signale der betroffenen Kinder nicht immer laut und eindeutig. Sie brauchen feinfühlige Erwachsene, die spüren: Da stimmt was nicht! Und die nicht wegschauen, sondern handeln.

Ihre

Andrea Kipp