Liebe Mutter, lieber Vater,

„Mein Kind soll es gut haben!“ sagen viele Eltern. Wenn das heißt, dass sie alles tun, um ihm einen guten Start ins Leben zu geben, ist das sicher auch vernünftig. Mitunter schießen wir Eltern allerdings übers Ziel hinaus: „Immer wird unser Kind von dem Nachbarjungen geschubst!“ Oder: „Um mein Kind kümmert sich die Lehrerin viel zu wenig.“ Oder: „Mein Kind soll jeden Kurs machen können, den es will, egal, wie viel Zeit und Geld das kostet.“

Manchmal scheint mir, dass Eltern ihre Kinder am liebsten in einer rosaroten Traumwelt aufwachsen lassen würden. Sie sollen bitte fast jeden Wunsch erfüllt bekommen und nichts Schlimmes erleben. Das ist aber nicht nur unmöglich, es nützt dem Kind auch nicht. Denn irgendwann wacht es aus der Traumwelt auf und stellt fest, dass die Realität ganz anders aussieht. Kann es dann damit fertig werden?

Viele Familien sind zu dieser Art von Erziehung aufgrund ihrer Lebenssituation gar nicht in der Lage. Trotzdem erscheinen ihre Kinder oft genauso zufrieden und ausgeglichen wie andere –  oder gerade deswegen?

Wäre es nicht hilfreicher, wenn Kinder auch lernten, mit Frust, Unzufriedenheit und offenen Wünschen umzugehen? Ich denke, gerade das wäre ein guter Start in ein zufriedenes und erfolgreiches Leben!

Ihre

Andrea Kipp