Liebe Mutter, lieber Vater,

Leistung – darum geht es immer häufiger, seit meine Tochter in der Schule ist. „Das Niveau der Klasse ist gut!“ sagt ihre Lehrerin stolz. Und dann lässt sie durchblicken, dass zwei Kinder diesem Niveau nicht entsprechen. Und gleich überlege ich: Wo steht meine Tochter?

Meine Gefühle bei diesem Thema sind zwiespältig: Einerseits möchte ich wie alle Eltern, dass mein Kind in der Schule gut mitkommt. Andererseits macht mir der Leistungsdruck Angst, der auf die Kinder ausgeübt wird. Was ist mit denen, die nicht mithalten können? Wenn sie jetzt spüren: Ich bin schlechter als die anderen – dann entmutigt sie das wahrscheinlich nicht nur für das erste Schuljahr. Diesen Frust würde ich meinem Kind gerne ersparen. Wo solcher Frust droht, müssen Eltern und Lehrer unbedingt gemeinsam schauen, wie sie dem Kind helfen können. Mit Lob ist dabei sicher mehr zu erreichen als mit Druck.

Leistung ist wichtig, aber sie ist auch nicht alles. Und die Kinder können in viel mehr Bereichen Leistungen bringen als nur in den intellektuellen, die in der Schule vorrangig gefragt sind. In jedem Fall dürfen Eltern ihre Zuneigung zu ihrem Nachwuchs nicht von dessen Leistungen abhängig machen. Sie sollten ihr Kind nach Kräften unterstützen, es aber auch so nehmen, wie es ist: mit seinen eigenen Stärken, Schwächen und seinem eigenen Entwicklungstempo.

Ihre

Andrea Kipp