Liebe Mutter, lieber Vater,

kennen Sie das auch? Es gibt Tage, da ist das Kind zu Hause unausstehlich und für nichts zu begeistern. Kaum aber hat es das Haus verlassen, kommt es zu einer seltsamen Verwandlung. Egal ob in der Schule oder bei Freunden: Schlagartig ist es freundlich, hilfsbereit und lässt sich von Erwachsenen etwas sagen.

Das ist ungerecht, denke ich dann. Ausgerechnet seine Eltern, die Menschen also, die sich am meisten um das Kind kümmern, müssen seine schlechten Launen ertragen. Mehr oder weniger fremde Menschen hingegen dürfen sich über seine Sonnenseiten freuen.

Es tröstet immerhin, dass die meisten Eltern ähnliche Erfahrungen machen. Und: Umgekehrt wäre es weitaus schlimmer. Kinder, die zu Hause lieb sind, anderswo aber nur unangenehm auffallen, könnte man guten Gewissens ja kaum jemand anderem zumuten.

Ehrlich gesagt: Wenn wir Erwachsenen Stress oder schlechte Laune haben, lassen wir die Kinder und den Partner auch eher darunter leiden als Kollegen oder Freunde. Und: Bei Groß und Klein ist das ja auch ein Vertrauensbeweis: „Zu Hause muss ich meine Schattenseiten nicht verbergen. Meine Familie hat mich trotzdem lieb.“

Jeder hat ein Recht auf schlechte Laune, auch die Kinder. Machen wir also das Beste daraus: Bei schlechter Laune raus aus dem Haus!

Ihre

Andrea Kipp