Thema des Monats

Juni 2014

Von der Freundin verraten

Carla (11) ist ganz verzweifelt; sie fühlt sich von ihrer „besten“ Freundin verraten. Allerdings will sie mir nicht genau erzählen, was passiert ist, egal wie sehr ich nachfrage.

© bonnie jacobs, istockphotoBedrängen Sie Ihre Tochter nicht zu sehr, Ihnen „alles“ zu erzählen! Letztlich ist es schon ein Kompliment für Sie, dass Carla sich mit ihrem Kummer an Sie gewandt hat. Was genau dahinter steckt, können Sie nur herausfinden (und Carla wirklich helfen), wenn Sie Ihre Tochter „kommen lassen“. Signalisieren Sie also Gesprächsbereitschaft, aber drängen Sie Carla nicht. Und vermeiden Sie es vor allem, ein Urteil darüber abzugeben, ob das andere Mädchen als „beste“ Freundin taugt. Überlassen Sie diese Schlussfolgerung Carla, andernfalls könnte der Gesprächsfaden ganz schnell reißen.

Vielleicht ist der konkrete „Verrat“ für Carla ja auch gar nicht so wichtig. Möglicherweise will sie sich bei Ihnen nur entlasten und sich angenommen und verstanden fühlen. Oder sie braucht ein Gegenüber, um sich selbst über einige wichtige Dinge wie wahre Freundschaft, Vertrauen und Verrat klar zu werden; gerade in diesem jungen Alter fühlen sich Mädchen und Jungen oft noch unsicher in ihren eigenen Maßstäben. Oder sie sind mehr enttäuscht über sich selbst, weil sie sich in ihren Freundinnen getäuscht haben oder deren Erwartungen nicht entsprechen. Vielleicht will Sie auch hören, ob Sie selbst einmal etwas Ähnliches erlebt haben, wie Sie sich dabei gefühlt haben und/oder damit umgegangen sind.

Wie auch immer – was Carla jetzt braucht, ist ein verständnisvolles Gegenüber, durchaus auch  mit einem eigenen Standpunkt, an dem sie sich reiben kann. So kann sie mit Ihrer Unterstützung erfahren, dass auch unangenehme Dinge zum Leben dazu gehören. Vor allem aber, dass sie diese Widrigkeiten überwinden und daraus ein Stück Lebenserfahrung gewinnen kann.

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