Samstag, 13:27 Uhr

Ein Netz von Helfern

Wir sind nicht allein

Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Gut deshalb, wenn junge Eltern gerade jetzt in den turbulenten ersten Wochen auf tatkräftige Helfer vertrauen können.

Als „erste Adressen“ bieten sich Großeltern und andere nahe Verwandte an. Viele freuen sich geradezu darauf, mit anpacken zu dürfen! Auch Freundinnen und Nachbarn sind oft gerne bereit, als Babysitter einzuspringen oder andere kleine Dienste zu übernehmen.

In der Regel haben Mütter bis acht Wochen nach der Geburt Anspruch auf eine Hebamme, die sie zu Hause aufsucht und in allen Fragen rund ums Stillen, Pflege und Entwicklung des Babys berät und anleitet. Sie kümmert sich aber auch um die Gesundheit der Mutter und berät sie bei seelischen und/oder sozialen Problemen.

Der Kinderarzt ist nicht nur im Krankheitsfall gefordert, sondern vor allem auch bei den Vorsorgeuntersuchungen („U’s“), bei denen er die Entwicklung der Kinder begutachten und, wenn nötig, frühzeitig für Förderung sorgen soll. Ihm (oder ihr) das Baby kurz nach der Entlassung aus der Geburtsklinik vorzustellen, ist deshalb ein Muss – auch wenn es kerngesund ist.

Bis zu drei Jahre nach der Geburt können Eltern sich an eine Schwangerschaftsberatungsstelle wenden. Die Mitarbeiterinnen dort informieren über finanzielle Hilfen für junge Familien, unterstützen sie beim Umgang mit (Sozial-)Behörden, bei der Suche nach einer Wohnung, einer Tagesmutter oder Kita und vermitteln ehrenamtliche Hilfen. Außerdem beraten und begleiten sie vor allem minderjährige und alleinerziehende Eltern sowie Mütter und Väter mit besonderen gesundheitlichen oder seelischen Belastungen.

Adressen von Schwangerenberatungsstellen
und „Frühen Hilfen“ finden Eltern unter
www.skf-zentrale.de
www.caritas.de/adressen

Viele Schwangerschaftsberatungsstellen sind eingebunden in Netzwerke Frühe Hilfen, die meist bei den örtlichen Jugendämtern angesiedelt sind. Sie vermitteln zum Beispiel den Einsatz von Familienhebammen, die Familien in schwierigen Lebenslagen nach der Geburt ein Jahr lang zu Hause besuchen. Außerdem informieren die Netzwerke über Angebote wie Elterncafés, in denen Mütter und Väter auch Kontakt zu Fachkräften knüpfen können, Gruppen zur Entwicklungsförderung der Kinder und/oder Familienpatinnen, die junge Eltern stundenweise unterstützen und entlasten.

Der Kampf um Sophia

Die Mitteilung des Arztes nach Sophias Geburt traf uns wie ein Schock: „Ihre Tochter hat das Down-Syndrom.“ Warum ausgerechnet wir? Was hatten wir falsch gemacht? Was würde aus unseren Zukunftsplänen? Wir empfanden Sophias Behinderung als schreiendes Unrecht; vor allem Anne stürzte darüber auch in eine tiefe Glaubenskrise.

Das Leben mit Sophia kostete uns viel Mühe. Im ersten Jahr war Anne Tag für Tag mit ihr unterwegs zu allen möglichen Therapien (Krankengymnastik, Frühförderung, später auch Logopädie), meist stundenlang. Um viele Hilfen, die uns zustehen, mussten wir mühsam kämpfen. Selbst bei Menschen, die es eigentlich besser wissen müssten, begegneten wir Vorurteilen, die uns das Herz und das Leben schwer machten. So erklärte uns ein Klinikarzt: „Gott sei Dank sterben diese Kinder ja früh.“

Andererseits haben wir viel Unterstützung erfahren: bei Ärzten und Schwestern im Krankenhaus, Freunden und Verwandten, der „Lebenshilfe“ und dem „Arbeitskreis Down-Syndrom“, Selbsthilfegruppen für Eltern mit gesunden und behinderten Kindern, Krabbel- und Spielgruppen. Bis hin zu den Nachbarskindern, die auf dem Spielplatz liebevoll auf Sophia aufpassten.

Am meisten half uns Sophia selbst. Sie machte Fortschritte, besucht heute einen „normalen“ Kindergarten. Ihre Lebensfreude und Fröhlichkeit entschädigen uns für alle Mühe. Wir wissen, dass sie auch in Zukunft viel Hilfe und Liebe braucht, Defizite hat und immer haben wird. Aber wir fühlen uns als ganz normale, glückliche Familie.

Anne und Matthias Kreuzer

Hilfreiche Informationen finden Eltern von behinderten und chronisch kranken Kindern über
das Kindernetzwerk e. V. www.kindernetzwerk.de
oder die Internetplattform www.intakt.info des Familienbunds der Katholiken im Bistum Würzburg.

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