Donnerstag, 01:17 Uhr

Väter in Elternzeit

Das nimmt mir keiner mehr!

Von drei jungen Vätern geht (nur?) einer in Elternzeit, und auch der begnügt sich in aller Regel mit zwei Monaten. Dabei klingt, was Männer aus dieser Zeit erzählen, eindeutig nach „mehr“. Zwei Erfahrungsberichte.

Als Vater voll angekommen

Wie war das eigentlich damals, ohne Sophia? Irgendwie habe ich das vergessen. Sophia ist immer da, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Ich bin ihr Papa, sie reagiert auf mich, freut sich, lässt sich von mir füttern, beruhigen oder auch mal nicht … Jedenfalls ist da ein großes Gefühl von Zu­einandergehörigkeit entstanden.

Die Reaktionen meiner Umgebung waren heftig, als bekannt wurde, dass ich zwei volle Monate Väterzeit nehmen wollte. In einer Firma mit 120 MitarbeiterInnen war ich erst der dritte, der diese Möglichkeit nutzte. Manche versuchten, mir meine Entscheidung madig zu machen. Vor allem Männer, die diese Zeit nicht genutzt hatten, lästerten ständig, und auch mein Arbeitgeber war nicht begeistert, drängte darauf, dass ich den Zeitraum mehrfach verschob. Doch mich bestärkte das eher. Für mich stand fest: „Diese gemeinsame Familienzeit, dieses Gefühl nimmt mir keiner mehr!“ Auch meine ganze Familie unterstützte mich.

Ich selbst freue mich auch an meiner immer größer werdenden Souveränität im Umgang mit Sophia. Klasse finde ich den Austausch mit anderen Vätern und Müttern; man bekommt gute Ideen, wie man’s auch noch machen könnte. Aber das Wichtigste für mich ist, gemeinsam mit meiner Frau ein Gefühl für Sophia und ihre Bedürfnisse zu entwickeln, sich nicht reinreden zu lassen, gut zuzuhören, aber dann nach dem eigenen gesunden Menschenverstand zu entscheiden; wir wissen nämlich mittlerweile, dass „gefühlt richtig“ meist wirklich richtig ist.

Meine Bilanz: Persönlich fühle ich mich im Dreieck Vater-Mutter-Kind voll angekommen und „zuständig“ für Erziehungsfragen. Und ich verstehe viel besser, welche Aufgaben, Gefühle und Sorgen meine Frau beschäftigen.

Matthias, 30

Wehmut zum Abschied

Dass ich Elternzeit nehme, um meine Frau zu unterstützen und die ersten Wochen mit unserer Tochter zu erleben, stand von Anfang an fest. Sehr gerne hätte ich sogar mehr als die beiden „Vätermonate“ genommen, aber das hätte unsere Einnahmesituation zu drastisch verändert. Hätte das Geld keine Rolle gespielt, wäre ich bis zu zwei Jahren zu Hause geblieben.

Sowohl in unserem Freundeskreis als auch an meinem Arbeitsplatz sind zwei Monate Väterzeit absolut üblich. Mein Arbeitgeber erkundigte sich vorsichtig, ob es denn bei zwei Monaten bliebe; eine längere Zeit hätte man durchaus akzeptiert, aber eher mit hörbarem Knurren. Für die meisten Kollegen ist eine längere Elternzeit kein Problem, aber in Führungspositionen …

Ich habe die Zeit unglaublich genossen. Zu erkennen, dass ich für unsere Tochter Chiara wichtig bin, dass ich sie beruhigen und in den Schlaf wiegen kann. Viele kleine Entwicklungsschritte direkt mitzuerleben. Für meine Frau Sabine da zu sein und fast alle Aufgaben mit ihr zu teilen. Zu erleben, wie wir als Familie zusammenwuchsen. Ich möchte keinen Tag davon missen. Vereinzelt musste ich mich zwischenzeitlich um betriebliche Dinge kümmern, aber der Wechsel zurück in den Beruf fiel mir sehr schwer. Gegen Ende der Elternzeit spürte ich große Wehmut; es war wie ein Abschiedsschmerz.

Im Nachhinein empfinde ich diese Zeit als unverzichtbare Hilfe, um uns neu zu finden, alles selbst im Detail zu erfahren und die Zeit danach gut und positiv zu meistern. Ich habe viel Verständnis für Sabines Alltag gewonnen und gesehen, wie viele Aufgaben täglich auf sie zukommen; Gefühle, dass der eine Partner (ich) die härtere Aufgabe meistert, während der andere (sie) zu Hause die Füße hochlegt, konnten so gar nicht erst aufkommen. Dabei hilft uns auch, dass wir beide keinen Anspruch auf Perfektion erheben und nur das erledigen, was wir gut schaffen können. So bleibt uns genug Zeit für Ruhe und Entspannung; dass man das unserer Wohnung ansieht, stört höchstens andere.

Max, 41

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