Dienstag, 14:35 Uhr

Allein erziehende Eltern

Einmal durchatmen, bitte!

„Toll, was mein Kind schon alles kann!“ Der weitere Aktionsradius und die wachsende Selbstständigkeit ihres Einjährigen macht allein erziehende Eltern genauso stolz wie alle anderen – einerseits. Andererseits bekommen sie gewissermaßen für zwei zu spüren, dass der Alltag dadurch (vorerst) nicht leichter, sondern eher anstrengender wird. Dazu kommt: Viele gehen jetzt, nach gut einem Jahr Elterngeld-Zeit, ins Berufsleben, was zusätzliche Energie erfordert, und müssen dabei nach dem anfänglichen Elan die eine oder andere Ernüchterung verdauen.

Der (seelische) Stress, den all das auslöst, lässt allein erziehende Eltern im Umgang mit dem Kind oft in zwei gegensätzliche Muster verfallen. Die einen lassen ihm vieles durchgehen, reagieren also verwöhnend; vielleicht fehlt ihnen auch einfach die Kraft, sich mit dem Kind auseinanderzusetzen. Andere reagieren genervt oder verfallen von einem Extrem ins andere. So oder so steckt dahinter oft auch eine Portion schlechtes Gewissen und Unzufriedenheit mit der eigenen Situation.

Atempause

Jetzt

Das Kostbarste im Leben
ist zugleich das Verletzlichste.
Tautropfen können
schon morgen zu Tränen werden.
Was heute blüht,
kann jederzeit verdorren.
Darum lass’ uns
den Augenblick genießen.
Jetzt.

Ingrid Schreiner
aus: Zu Zweit.
Adventsmomente für die Partnerschaft
© Echter Verlag Würzburg 2014, S. 17

Umso mehr kommt es gerade auch für allein erziehende Eltern darauf an, gut für sich selbst zu sorgen. Zum Beispiel, indem ich mir „Oasenzeiten“ gönnen. Viele Kinder verbringen jedes zweite Wochenende beim „anderen“ Elternteil, manche zusätzlich noch einen Nachmittag unter der Woche. Diese regelmäßigen kinderfreien Zeiten gilt es zu nutzen – um „alte“ Hobbys zu pflegen, Freundschaften aufzufrischen, Sport zu treiben … Hauptsache: Es tut gut, dann kommt es indirekt auch meinem Kind zugute. Gut deshalb, wenn es mir gelingt, mich von Konkurrenzsorgen („Wen hat das Kind lieber?“) und Bevormundungsdenken („Der Vater weiß nicht so gut wie ich, was das Kind braucht.“) frei zu machen. Mit solchen Sorgen, der (oder die) andere könnte das Kind verwöhnen oder es ihnen gar entfremden, stehen allein erziehende Eltern sich selbst im Weg. Je mehr es dagegen gelingt, das Kind loszulassen, ihm zu gönnen, dass es Vater und Mutter lieb hat, und ihm zuzutrauen, dass es mit einem anderen Persönlichkeits- und Umgangsstil zurechtkommt, desto eher kann ich die Zeit wirksam zum Durchatmen nutzen.

Und wenn der Vater (oder die Mutter) nicht mitspielt und jede Mitarbeit an der Versorgung des Kleinen verweigert? Dann springen vielleicht Oma, Opa, die Patentante, eine Freundin aus der Eltern-Kind-Gruppe oder dem Treff für Alleinerziehende zeitweise als Babysitter ein und verschaffen mir ein paar freie Stunden.

Auch eine zuverlässige, gute Kinderbetreuung bei einer Tagesmutter oder in einer Kita dürfen allein erziehende Eltern ihren Einjährigen durchaus zumuten. (Das bekommt den Kleinen auf jeden Fall besser ein häufiger Wechsel von dieser zu jener Oma und zur Nachbarin.) Wichtig ist nur, dass ich selbst von der Qualität dieser Lösung überzeugt bin und ein gutes Gefühl dabei habe; ein schlechtes Gewissen wegen der „Fremdbetreuung“ würde mein Kind sofort spüren und sein Zutrauen in mich und die Tagesmutter oder Erzieherinnen stören. Bei einer guten Lösung darf ich die Betreuungszeiten dagegen getrost ein bisschen ausdehnen und nach „Feierabend“ am Arbeitsplatz noch eine Stunde Pufferzeit einbauen. Egal ob ich so lange einkaufen gehe, mir einen Kaffee mit einer Kollegin gönne oder die leere Wohnung genieße: Umso entspannter kann ich mich danach für die Bedürfnisse meines Kindes öffnen.

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