Montag, 05:18 Uhr

Kinder lehren Beten

Hallo, lieber Gott!

Für viele ist das eine Herausforderung. Beten? Eigentlich haben sie damit seit ihrer Pubertät abgeschlossen, als die Gebete ihrer Kindheit ihnen nur noch kindisch schienen und sie keinen Ersatz hatten, der sie als Jugendliche ansprach. Andere hatten es einfach nie gelernt. Aber jetzt, mit ihrem Kind, erleben sie so viel Neues, Wunderbares, das über das rein Rationale hinausgeht. Plötzlich sind diese heiligen Momente da, und es riecht nach Himmel: die erste Ahnung von neuem Leben im Bauch der Mutter, natürlich die Geburt oder jetzt das Staunen der kleinen Tochter über den Marienkäfer. Ihre Aufmerksamkeit und Ehrfurcht vor dem winzigen Geschöpf öffnen eine andere Welt, lassen ihren Vater ahnen, dass es da etwas Größeres über alles Sicht- und Fassbare hinaus gibt. „Lieber Gott, danke für den Käfer, der da krabbelt“, möchte er beten und spricht es doch nicht aus, weil so nur Kinder beten ...

Schade. Denn Beten fängt genau hier an, beim Staunen, beim Ganz-bei-sich-Sein und beim Sich-berühren-Lassen von Momenten, die den Himmel im Alltag aufgehen lassen. Beten ist mehr als Gebete sprechen, beten ist eine Grundhaltung der Achtsamkeit und der Verbundenheit mit allem Lebendigen. So zu leben haben die meisten Erwachsenen verlernt und müssen es sich erst wieder mühsam aneignen. Ihre Kinder eröffnen ihnen dazu eine einmalige Chance; sie können geradezu zu geistlichen Lehrmeistern werden, wenn ihre Eltern sich dafür öffnen.

Die konkrete Formulierung, wie sie von oder besser noch mit Gott reden können, hängt von der eigenen Glaubensgeschichte ab. Welche Vorstellungen habe ich von Gott? Welche Erfahrungen habe ich mit ihm oder seinem „Bodenpersonal“ in der Kirche gemacht? Kann ich „lieber Gott“ sagen, oder ist er für mich namenlos, fremd, unpersönlich? Vielleicht brauche ich auch keinen Namen oder Titel für Gott, sondern „Gott ist für mich ein Tätigkeitswort“, wie der Dichter Kurt Marti es ausdrückt. Ein Tätigkeitswort, das eine Bewegung, eine Veränderung, eine Energie andeutet: Liebende(r), Mittrauernde(r), Allgegenwärtige(r), Mutmachende(r) ... So ist Gott nicht (mehr) fern, sondern in mein Beziehungsgeschehen einbezogen und ein naher und persönlicher Gott geworden. Von solchen menschlichen Erfahrungen mit Gott berichtet die Bibel durchgängig.

Vorformulierte (Kinder-)Gebete und feste Anlässe wie beim Schlafengehen oder vor dem Essen helfen ebenfalls, eine eigene Sprache und religiöse Heimat als Familie zu finden. Es müssen ja nicht die bis zum Überdruss heruntergeleierten der eigenen Kindheit sein; beim Stöbern im Buchhandel und in Büchereien finden sich auch ganz andere. Es lohnt sich, gemeinsam danach zu suchen; so können Eltern über dieses Thema (wieder) ins Gespräch kommen und ihrer Familie etwas Wunderbares schenken: ein Stück Himmel auf Erden.

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