Sonntag, 11:34 Uhr

Die Entdeckung der Gefühle

Ja, das hat wehgetan!

Das Gesicht, die Stimme, die Körpersprache: Vom ersten Tag an bringen Babys ihre Gefühle sehr direkt zum Ausdruck. Ob zufrieden, beruhigt, entspannt, neugierig, froh oder müde, ängstlich, wütend, gelangweilt — das Verhalten der Kleinen spiegelt ihr aktuelles Befinden wider. Wenn Eltern die Signale des Kindes sehen, verstehen und feinfühlig darauf reagieren, unterstützt dies die emotionale Entwicklung und die Eltern-Kind-Beziehung.

Denn: Sagen kann das Baby noch nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Es tritt mit seiner Umwelt in Kontakt, indem es eigene Befindlichkeiten und Bedürfnisse signalisiert oder Wünsche zum Ausdruck bringt. Es kann seine Gefühle nicht einordnen und einschätzen, und erst recht weiß es nicht, wie es damit umgehen könnte. Es ist sich ja auch seiner eigenen Person erst ansatzweise bewusst. Das Kind fühlt „einfach so“. Für alles Weitere fehlen ihm noch die Worte.

Umso mehr ist es darauf angewiesen, dass seine Eltern und andere Erwachsene Verständnis für seine Wahrnehmung und seine Empfindungen zeigen und den Gefühlen einen Namen geben. Zum Beispiel, wenn ihr Kleines zahnt, deshalb keinen Schlaf findet und nur vor sich hin jammert: „Es geht dir gerade nicht gut, gell? Du hast Schmerzen, ja, die Zähnchen tun dir weh.“ Oder: Das Essen steht auf dem Herd. Das Kind wird ganz ungeduldig und signalisiert, dass es losgehen soll: „Jetzt freust du dich, dass es etwas Leckeres gibt. Du hast bestimmt Hunger und kannst es fast nicht mehr erwarten. Die Suppe muss noch mal richtig warm werden, dann können wir essen.“ Solche Sätze helfen Kindern, sich selbst zu verstehen und zeigen ihm: „Ich habe dich verstanden!“ Je genauer Erwachsene die Gefühlslagen der Kleinen beschreiben, umso besser können sie angemessen darauf eingehen. Dabei geht es nicht um eine bestimmte Technik. Sondern darum, wirkliches Interesse und echte Zuwendung auszudrücken.

Ganz wichtig: Die Benennung ihrer Gefühle und die ernsthafte Auseinandersetzung damit signalisieren den Kindern gleichzeitig, dass die Eltern ihren Ärger, ihren Schmerz oder ihre Ungeduld als „normal“ und „legitim“ respektieren. Dagegen verbietet sich jeder Versuch, „unbequeme“ Gefühle wegzureden: „So weh hat das bestimmt nicht getan. Da musst du doch nicht weinen!“ Oder: „Jetzt krieg’ dich mal wieder ein. So toll ist dieses Karussell doch gar nicht.“ Damit würden sie das Vertrauen der Kleinen in die eigenen Gefühle untergraben — und damit Versuchen, sie zu manipulieren, Tür und Tor öffnen.

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