Mittwoch, 16:55 Uhr

Die Entdeckung der Gefühle

Ja, das hat wehgetan!

Das Gesicht, die Stimme, die Körpersprache: Vom ersten Tag an bringen Babys ihre Gefühle sehr direkt zum Ausdruck. Ob zufrieden, beruhigt, entspannt, neugierig, froh oder müde, ängstlich, wütend, gelangweilt – das Verhalten der Kleinen lässt Eltern selten im Zweifel über deren aktuelles Befinden. Nur in manchen Stress-Momenten, zum Beispiel wenn ihr Schatz untröstlich schreit, stößt ihr Mit-Gefühl an Grenzen: Was geht bloß in deinem Kopf vor, Baby? Oder: Wenn du uns nur sagen könntest …

Genau das kann ihr Baby noch nicht. Es nimmt seine Empfindungen wahr, ohne aber wirklich zu „wissen“, was genau da in ihm vorgeht; es kann seine Gefühle nicht einordnen, einschätzen und bewerten, und erst recht weiß es nicht, wie es damit umgehen könnte. (Daumenlutschen hilft ja nicht immer.) Es ist sich ja auch seiner eigenen Person erst ansatzweise bewusst. Das Kind fühlt „einfach so“; für alles Weitere fehlen ihm noch die Worte.

Umso mehr ist es darauf angewiesen, dass seine Eltern und andere Erwachsene Verständnis für seine Wahrnehmung und seine Empfindungen zeigen und den Gefühlen einen Namen geben. Zum Beispiel, wenn ihr Kleines zahnt, deshalb keinen Schlaf findet und nur vor sich hin jammert: „Es geht dir gerade nicht gut, gell? Du hast Schmerzen, ja, die Zähnchen tun dir weh.“ Oder: Das Essen steht auf dem Herd; das Kind wird ganz ungeduldig und signalisiert, dass es losgehen soll: „Jetzt freust du dich, dass es etwas Leckeres gibt. Du hast bestimmt auch Hunger und kannst es schon fast nicht mehr erwarten. Noch einmal muss die Suppe richtig heiß werden, dann können wir essen.“ Solche Sätze helfen Kindern, sich selbst zu verstehen, und gleichzeitig auch den Erwachsenen selbst: Je genauer sie die Gefühlslagen der Kleinen beschreiben, umso besser können sie angemessen darauf eingehen. Und umso eher schaffen es die Kinder, ihre Gefühle zu benennen und sich damit den Trost von Erwachsenen zu sichern oder sogar ohne diese „fremde“ Hilfe mit ihren Emotionen klarzukommen.

Ganz wichtig: Die Benennung ihrer Gefühle und die ernsthafte Auseinandersetzung damit signalisieren den Kindern gleichzeitig, dass die Eltern ihren Ärger, ihren Schmerz oder ihre Ungeduld als „normal“ und „legitim“ respektieren. Dagegen verbietet sich jeder Versuch, „unbequeme“ Gefühle wegzureden: „So weh hat das bestimmt nicht getan. Da musst du doch nicht weinen!“ Oder: „Jetzt krieg’ dich mal wieder ein. So toll ist dieses Karussell doch gar nicht.“ Damit würden sie das Vertrauen der Kleinen in die eigenen Gefühle untergraben – und damit Versuchen, sie zu manipulieren, Tür und Tor öffnen.

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