Donnerstag, 17:25 Uhr

Was Eltern von Einjährigen lernen können

Mit den Augen der Kinder

Eigentlich wollte Mama schon längst zu Hause sein und das Formular fürs Finanzamt ausfüllen. Aber dann wollte Lisa raus aus dem Kinderwagen und selbst laufen. Und entdeckte prompt den Laubhaufen. Wie das raschelt und knistert! Wie die Blätter im Wind wirbeln und beim Herunterfallen schaukeln! Sogar Mama, die zuerst nervös auf die Uhr schaute, hat die Zeit vergessen und spielt mit.

Im Zusammenleben von Eltern und kleinen Kindern prallen Welten aufeinander: hier die der Erwachsenen, von Aufgaben, Pflichten und Terminkalendern geprägt, da die der Kinder, in der alles neu und nichts selbstverständlich ist. Mütter und Väter haben dann zwei Möglichkeiten: Sie beharren auf ihren Prioritäten und riskieren nervtötendes Quengeln und das unangenehme Gefühl, dass sie den Bedürfnissen der Kleinen nicht gerecht werden – was sich (leider) manchmal nicht umgehen lässt. Oder sie lassen sich auf Augenhöhe mit ihren Kindern herab – und sehen die Welt plötzlich (wieder) mit anderen Augen.

Atempause

Was wir könnten

Wir könnten Menschen sein.
Einst waren wir schon Kinder!
Wir sahen Schmetterlinge,
wir standen unter dem silbernen Wasserfall.
Wir sahen den huschenden Glanz
im Innern der Muschel.
Wir sahen alles,
wir hielten die Muschel ans Ohr;
wir hörten das Meer.
Wir hatten Zeit!

Max Frisch
aus: Gesammelte Werke,
Suhrkamp Verlag

  • Die Nachbarin, der ich früher eben „Hallo!“ sagte, wurde zur Freundin, seit wir uns zum ersten Mal mit dicken Bäuchen begegneten.
  • Durch unser Baby habe ich das Staunen neu gelernt, über das große Wunder der Entstehung von Leben und die vielen kleinen, die das Kleine in der Natur fasziniert beobachtet. Und ich spüre wieder Dankbarkeit für vieles, was ich vorher kaum wahrgenommen habe.
  • Mit Jonas auf der Wiese fangen und Ball zu spielen, ist viel erholsamer, als im Fitnessstudio zu powern.
  • Früher habe ich täglich eine To-do-Liste geschrieben und hatte keine Ruhe, bis alle Punkte abgehakt waren. Mit meiner Tochter lebe ich viel mehr in den Tag hinein und fühle mich glücklich dabei.
  • Der tägliche Ärger mit Chef und Kunden ist sofort vergessen, wenn mein Anderthalbjähriger mir bei der Heimkehr sein kaputtes Spielzeug hinhält: „Papa heile matt.“
  • Neuerdings interessiere ich mich dafür, wenn der Stadtrat über Tempo 30 und den Kita-Plan diskutiert, und mische mich mit Postings und Leserbriefen ein.

Es ist die grenzenlose Neugier der Kinder auf das Leben, die Langsamkeit und Selbstvergessenheit, mit der sie die Welt beobachten, wovon Eltern viel lernen können. Auf den ersten Blick mag ihr Horizont eng erscheinen; aber auf den zweiten steckt er voller Farbe, Fröhlichkeit und Wunder.

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