Montag, 05:50 Uhr

Allein erziehen

Der unsichtbare Zweite

Manche allein erziehenden Mütter (und Väter) empfinden das als weltfremde Zumutung. Die Verletzungen, die die Trennung hinterlassen hat, sitzen noch tief, die Enttäuschung, weil der (die) andere die Verantwortung für das Kind nicht annimmt, nagt noch heftig – aber diesen Frust sollen sie einfach so wegstecken und wertschätzend von ihrer (ihrem) Ex reden, wenn das Kind nach seinem Vater oder seiner Mutter fragt?

Es führt kein Weg daran vorbei. Denn jedes Kind entdeckt früher oder später, dass es zwei Eltern hat, zum Beispiel wenn es in der Kita beobachtet, dass andere mal von ihrer Mama, mal vom Papa abgeholt werden. Und es ist wichtig für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, dass sie ihre Wurzeln kennen. Denn sie spüren sehr genau, dass in ihnen sowohl ein Stück Mama als auch ein Stück Papa steckt. Jede Abwertung des einen oder der anderen empfinden sie deshalb auch als Abwertung ihrer eigenen Person. Und es hilft auch nicht, das Thema einfach zu verschweigen. Zwar unterdrücken Kinder ihre Fragen oft selbst, wenn sie spüren, dass sie eine wunde Stelle ihrer Eltern berühren. Aber insgeheim basteln sie sich dann womöglich ein Traumbild ihres „Mondpapas“ (so der Titel eines Bilderbuchs zu diesem Thema), das der Wirklichkeit erst recht nicht entspricht und der Mutter später, zum Beispiel in der Pubertät, umso größere Probleme macht.

Ein realistisches Bild des „abwesenden“ Elternteils wachzuhalten, fällt allerdings allein erziehenden Müttern und Vätern unterschiedlich schwer – je nach dem Grund für die Trennung und der Intensität seines Kontakts mit dem Kind. In einem Fall genügt es schon, abwertende Kommentare zu vermeiden, im anderen müssen Erzählungen und vielleicht das eine oder andere Foto aus besseren Tagen Ersatz schaffen. Gut auf jeden Fall, wenn Kinder von Anfang an erfahren, dass der abwesende Elternteil kein Tabu ist, sondern dass sie fragen dürfen und Antworten erhalten, die ihnen die Liebe zu einem oder einer Unbekannten ermöglichen. Auch wenn sie vermutlich (noch) nicht alles verstehen – sie sollen das Gefühl bekommen, trotz allem ein „Kind der Liebe“ zweier Menschen zu sein; das Wissen, „gute“ Eltern zu haben, stärkt ihre Identitätsbildung. Gut deshalb auch, wenn allein erziehende Mütter und Väter ihren Frust nicht bei den Kindern abladen, sondern anderswo verarbeiten können, zum Beispiel in Gesprächen mit den eigenen Eltern, Freundinnen und Freunden, Seelsorgern oder in einer Gesprächsgruppe im Alleinerziehenden-Treff.

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