Montag, 18:33 Uhr

Die ersten Pflichten

Zwischen Spiel und Aufgabe

Zähne putzen, Schuhe anziehen, Aufräumen: Auch für kleine Kinder gibt es sie schon, die lästigen Pflichten im Alltag. Warum die Großen so viel Wert darauf legen, verstehen Anderthalbjährige zwar noch nicht. Zum Glück empfinden die meisten diese Aufgaben jedoch als spannende Herausforderung und/oder als lustiges Spiel. Wenn nicht, brauchen Eltern viel Geduld und gute Nerven.

Lena zum Beispiel hat gerade entdeckt: Wenn sie beim Zähneputzen den Mund ganz fest zukneift, kommt die Mama mit der Zahnbürste nicht an die Zähne. Dann wird sie nach einer Weile guten Zuredens immer nervöser und ruft den Papa zu Hilfe; der versucht, Lena zu kitzeln, damit sie den Mund aufmacht. Aber Lena lässt sich nicht überlisten; mal schau’n, was den Eltern jetzt noch einfällt! Am Ende ist Papa wütend, Lena weint, und die Zähne sind noch immer nicht geputzt.

Oder Gero. Er trödelt morgens gerne im Schlafanzug herum, als ob Sonntag wäre, spielt mit seinem Bagger und überhört die Rufe der hektischen Eltern. Bis Papa ihn unsanft aus dem Spiel reißt, ins Bad trägt und das schreiende, strampelnde Bündel wäscht und für den Weg zur Tagesmutter anzieht: „Keine Sperenzchen mehr, Gero, wir müssen los“, sagt er streng.

Früher oder später erleben alle Eltern ähnliche Szenen. Die Kleinen müssen eben erst lernen, wann Spielen und Ausprobieren angesagt ist und wann nicht. Und manchmal fehlt den Großen leider die Zeit, um das ruhig und mit Bedacht zu klären, weil (zum Beispiel) der Chef am Arbeitsplatz wartet.

Wie gehen Eltern also am besten mit solchen Herausforderungen um? Oder, noch besser: Was können sie tun, damit sie ihnen möglichst erspart bleiben?

Das wichtigste Hilfsmittel sind Regeln. Sie zeigen Kindern klipp und klar: Hier gibt’s keinen Spielraum, das machen wir immer so. Zum Beispiel: „Vor dem Essen waschen wir die Hände“. Kinder akzeptieren solche Regeln umso eher,

  • wenn sie einfach und verständlich formuliert sind,
  • wenn es nicht zu viele sind,
  • wenn die Eltern darauf bestehen …
  • … und sich selbst daran halten.

Aber: Auch beim Durchsetzen von Regeln brauchen Eltern Fingerspitzengefühl. Bei übermüdeten oder kränkelnden Kindern sind Ausnahmen erlaubt.

Ein Lob unterstützt die Motivation der Kleinen, sie sind stolz, wenn sie etwas richtig und gut gemacht haben. Belohnungen heben Eltern sich dagegen besser für besondere Situationen auf, zum Beispiel für gutes Mitmachen beim Kinder- oder Zahnarzt.

Den Teddy auf seinen Stammplatz zu setzen, das schaffen Anderthalbjährige leicht. Die Aufforderung, das Kinderzimmer nach einem langen Spiel-Tag komplett aufzuräumen, würde sie dagegen hoffnungslos überfordern. Beim Einhalten vieler Regeln brauchen sie deshalb noch Unterstützung. Gemeinsam mit Papa macht das Aufräumen sogar Spaß, und auch Lena putzt ihre Zähne viel lieber, wenn ihre Eltern das gleichzeitig tun – und nicht erst, wenn sie längst schläft und das gute Vorbild nicht mitbekommt.

Bitte aussteigen!

Auf Machtkämpfe mit ihren Kindern lassen Eltern sich besser nur ein, wenn sie eine reelle Chance sehen, sie auch zu gewinnen. Das empfehlen alle „Experten“ einhellig. Das Dumme ist nur: Bei Machtkämpfen mit ihren Kindern haben Eltern grundsätzlich schlechte Karten. Denn die Kleinen haben beim Streiten einen schier unendlich langen Atem. Bis der Klügere nachgibt …

Auf jeden Fall brauchen Eltern also Zeit, wenn sie einen Machtkampf mit ihrem Kind durchstehen wollen. Andernfalls kommen sie bald in die missliche Lage, entweder ein Machtwort sprechen oder zurückstecken zu müssen. Im ersten Fall fühlt sich das Kind ohnmächtig (und schreit vermutlich), im zweiten Fall die Mutter oder der Vater. Und so oder so ist die Fortsetzung des Machtkampfs bei nächster Gelegenheit programmiert.

Zweitens brauchen Eltern für einen Machtkampf gute Nerven. Wer vorher schon unter Strom steht, überlässt die Auseinandersetzung also besser dem entspannteren Partner.

Und drittens brauchen Eltern eine Ausstiegsstrategie. Zum Beispiel indem sie den Streit ins Alberne ziehen oder eine Spiel-Geschichte dazu erfinden („Wie der kleine Spatz dem Krokodil einmal die Zähne putzte“). Nicht unbedingt, um so am Ende doch ans Ziel zu kommen. Sondern mehr noch, damit das Klima zwischen Vater/Mutter und Kind sich nicht aufheizt und beide Zeit gewinnen, den Streit später in Ruhe zu lösen.

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