Mittwoch, 16:54 Uhr

Medien

Die Welt aus zweiter Hand

Vorlesen? Später, Papa!

Kleine Kinder lesen anders. Ein neues Bilderbuch blättern sie vielleicht noch von vorn nach hinten durch, aber beim zweiten Anschauen suchen viele schon gezielt nach Details, die sie besonders fesseln: die Feuerwehr, ein Pferd, ein Kind, das sein Eis fallen lässt … Eltern, die den Kleinen die (knappen) Texte von Bilderbüchern „richtig“ vorzulesen versuchen, haben deshalb vorerst schlechte Karten. Erst recht haben (knapp) Zweijährige für Geschichten über mehrere Seiten noch keinen Sinn. Was sie interessiert, sind Bilder, aus denen sie mehr über ihre Welt erfahren. Und das funktioniert umso besser, wenn ihre Eltern (Großeltern, Tanten, …) mit ihnen darüber sprechen und den Kleinen dabei die Initiative überlassen – auch wenn die sich an Nebensachen festgucken.

Übrigens: Dem typischen „Lese“verhalten der Kleinsten kommen gut gemachte Bilderbuch-Apps sehr entgegen; das gilt besonders für Sachbilderbücher.

CDs: Mitmachen, Mama!

Einen CD-Player zu bedienen ist babyleicht. Und Silberlinge mit Spielliedern, Klatschversen und kurzen Geschichten für die Minis gibt’s ja reichlich … Das Dumme ist nur: Eine CD, die Lied auf Lied abspult, wird Kindern schnell langweilig. Also suchen sie sich eine spannendere Beschäftigung, während die Musik im Hintergrund dudelt – ein Schnuller für die Ohren. Hör-Geschichten überfordern sie ohnehin noch; weder stellt die CD sich auf das Aufnahmevermögen ihres Publikums ein, noch beantwortet sie Nachfragen. Am sinnvollsten nutzen Eltern das Medium mit den Kindern gemeinsam: indem sie zwei oder drei Lieder, Reime oder Kniereiter auswählen und mit den Kleinen dazu singen, tanzen oder spielen. Das fördert genaues Zuhören, (Nach-)Sprechen und (Mit-)Singen – und macht viel mehr Spaß.

Fernsehen: Aus(nahmsweise)!

Kein Fernsehen unter drei Jahren! Rät selbst die Initiative „Schau hin“, an der ARD und ZDF maßgeblich beteiligt sind. Mehr gibt’s dazu kaum zu sagen.

Vielleicht noch so viel:

  • Dasselbe gilt für DVDs, die Kinder angeblich gezielt fördern. Ein-, Zweijährige lernen durch Begreifen, Probieren und vor allem: im Dialog mit Erwachsenen. Das alles können DVDs nicht.
  • Fernsehen wird für Kinder umso attraktiver, je mehr die Eltern davor sitzen. Medienerziehung fängt also mit Nachdenken über den eigenen Konsum an.
  • Ausnahmen bestätigen die Regel. Eltern begehen keine Sünde, wenn sie zum Beispiel einem kranken Zweijährigen eine DVD mit einem Stück aus dem „Sandmännchen“ genehmigen, um selbst durchatmen zu können.

Smartphone & Co.: Wozu?

Das war lustig, als Oma mit Andrea die Wasserrutsche runtergesaust ist. Oder – wuutsch!, nächster Film – wie Mama den Schneemann umgerannt hat!

Wie sie den Spaß daran mit Papas Smartphone oder Tablet noch einmal erleben können, begreifen Kinder schnell. Für Klein-Andrea sind sie als moderne Fotoalben jedenfalls ein Gewinn und ihre Fähigkeit, darin zu „blättern“, ein Fortschritt. Auch ein paar digitale Bilderbücher lohnen sich anzuschauen. Aber müssen Zweijährige Smartphone und Tablet auch als Spielzeuge kennen lernen? Apps mit Werbung und der Möglichkeit zu „In-App-Käufen“ werden Eltern für die lieben Kleinen sowieso nicht installieren; aber auch für kindgerechtere Produkte gilt: Zweijährige brauchen unmittelbare sinnliche Erfahrung, Bewegung, Freiraum für die eigene Fantasie und Kontakt zu anderen Kindern. Die Faszination elektronischer Spiele entdecken sie noch früh genug.

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