Dienstag, 18:34 Uhr

Gewissensbildung

Ein Kompass fürs Leben

Spannend, wie sich die Nudelsoße nach und nach auf dem Tischtuch verteilt! Das muss ich gleich nochmal ausprobieren.

Toll, Lisas Bagger! Ob ich mit der Schaufel meinen Laster voll Sand laden kann? Gib her, Lisa … Klar: Da sind Mütter und Väter gefordert. Zweijährige setzen ihre Impulse, Bedürfnisse und ihre Neugier oft „in aller Unschuld“ direkt in die Tat um, ohne Rücksicht auf soziale Normen, erlaubt oder verboten, richtig oder falsch, gut oder böse. Klar aber auch: Um im Leben klarzukommen, müssen Kinder diese Unterscheidung besser früher als später erlernen und verinnerlichen, sprich: ein Gewissen ausbilden, das ihnen als Kompass durchs Leben hilft. Gut also, wenn Eltern sich fragen: Wie unterstütze ich mein Kind am besten dabei?

Erstens: durch ihr Vorbild. Erstaunt beobachtet der Vater, wie sein zweijähriger Sohn den Gemüseeintopf in den Mülleimer entleert. Papas empörte Reaktion „Wir werfen doch kein Essen weg! Warum machst du das?“ kontert der Kleine trocken „Nicht lecker!“ Und sein Vater erinnert sich: Vor ein paar Tagen auf dem Jahrmarkt hat er selbst die Hälfte seiner Currywurst mit den Worten „Da verbrennt mir ja die Kehle!“ genauso entsorgt.

Kleinkinder gucken viel von ihren Eltern ab. Umso wichtiger, dass Mama und Papa sich entsprechend verhalten: liebevoll und wertschätzend miteinander und ihren Kindern umgehen, Rücksicht aufeinander nehmen, sich gegenseitig, auch Fremden mit Respekt und Hilfsbereitschaft begegnen, zu ihren Worten stehen, sich nicht mit Lügen und Ausflüchten um Unannehmlichkeiten herummogeln … So geben sie ein glaubwürdiges Vorbild, das ihre Kinder aus Liebe zu den Eltern nachahmen. Dabei verinnerlichen sie nach und nach die zugrundeliegenden Haltungen, Werte und Normen.

Kleine Kinder tun das noch unbewusst und unkritisch. Erst viel später in ihrer Entwicklung, spätestens in der Pubertät, werden sie – auch unter dem Einfluss von „Miterziehern“ – bewusst Stellung beziehen und die Werte und Normen ihrer Eltern kritisch hinterfragen, um sie dann aus freier Entscheidung abzulehnen oder ihnen zuzustimmen.

Zweitens: durch Begründungen. Den Weg dahin ebnen Eltern ihren Kindern, indem sie ihr Verhalten, Gebote, Verbote und Regeln begründen und erklären. Warum darf ich Lisa den Bagger nicht einfach wegnehmen? Warum überlässt Papa unseren Sitz im Bus der Frau mit dem dicken Bauch? Keine Frage: Manchmal müssen Eltern Verbote einfach durchsetzen oder ein bestimmtes Verhalten einfordern, weil Kinder Zusammenhänge nicht erkennen. Beispiel: Regenjacke anziehen, obwohl es (noch) nicht regnet. Sie müssen auch nicht jede Kleinigkeit rechtfertigen; Hauptsache, sie haben einen sinnvollen Grund. Denn schon die Kleinsten haben ein Gespür dafür, ob eine elterliche Forderung bloßer Willkür entspringt oder eine sachliche Berechtigung hat.

Gemeinsam über das eigene Verhalten oder das von anderen (und Bilderbuch-Figuren) nachzudenken, hilft Kindern, sich zwischen richtig und falsch, gut und böse zu orientieren und andere besser zu verstehen. Es stärkt eine gute und vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern (die durch willkürliche Anordnungen eher leidet) und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass deren pädagogische Bemühungen auf lange Sicht fruchten. Auch wenn vorerst die spontanen Impulse der Zweijährigen oft noch stärker sind …

Untauglich: Strafen

„Strafe muss sein!“, hieß es früher. Doch beim Versuch, das Gewissen von Kindern zu schärfen, helfen Strafen nicht. Nichts dagegen, Kinder zur Wiedergutmachung von angerichtetem Schaden anzuhalten oder logische Konsequenzen zu ziehen: „Wenn du mit der Schaufel andere Kinder schlägst, muss ich sie wegnehmen.“ Strafen, die keinen sinnvollen Bezug zu den „Verfehlungen“ der Kinder haben, helfen ihnen dagegen nicht, über ihr Verhalten nachzudenken; sie empfinden sie stattdessen als Willkür oder gar Rache, fühlen sich erniedrigt oder beschämt. Vor allem gefährden sie die wichtigste Grundlage jeder Gewissensbildung: das Vertrauen zu den Eltern.

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