Montag, 05:21 Uhr

Soziales Lernen

Der weite Weg zum Teilen

Pauls Mama fühlt sich vor den Eltern seiner Spielgefährten gründlich blamiert. Muss ihr Sohn sich so aufführen? Er denkt gar nicht daran, den anderen Kindern von den Keksen anzubieten, die Mamas Freundin ihm mitgebracht hat. Und kaum hat Nils den Schlenkerhasen aus dem Winkel gezogen, in dem er wochenlang unbeachtet verstaubte, da entreißt Paul ihm das Stofftier und presst es an sich: „Meins!“

Dabei legen Pauls Eltern doch so viel Wert auf „soziales“ Verhalten! Und das Bilderbuch über die Mantelteilung des Heiligen Martin will er seit dem Laternenumzug in der Kita immer wieder vorgelesen haben. Aber der Weg vom Vorbild zum eigenen Verhalten ist wohl doch ziemlich weit …

Dass Kinder ihren Besitz so erbittert verteidigen, erklären Psychologen mit dem „erweiterten Persönlichkeitsbegriff“ der Kleinen. Sie empfinden ihren Teddy oder ihren Platz am Familientisch ähnlich als Teil von sich selbst wie ihren Körper. Und protestieren nicht Mama und Papa ihrerseits genauso, wenn ihr Nachwuchs sich eines herumliegenden Portmonees bemächtigen will? Außerdem setzt freigebiges Teilen Einsichten voraus, mit denen Zweijährige meist noch überfordert sind, nämlich

  • Mitgefühl für die Bedürfnisse von anderen
    Das können sie allmählich entwickeln, wenn sie viel mit anderen Kindern zusammenkommen, deren Reaktionen erleben und die Eltern hinterher geduldig mit ihnen darüber sprechen. Auch Bilderbücher und Rollenspiele bieten gute Anknüpfungspunkte, um das Einfühlungsvermögen von Kindern für andere zu fördern.
  • das Vertrauen: Wenn ich teile, komme ich selbst nicht zu kurz
    Dieses Sicherheitsgefühl bauen Kinder von Geburt an auf, wenn ihre Eltern sie zuverlässig mit Nahrung, Wärme und Liebe versorgen. Dazu gehört auch, dass sie den Besitz der Kleinen respektieren und sie nicht zu früh zum Teilen drängen. Wenn ausgerechnet die Eltern, von denen doch ihre Sicherheit abhängt, ihnen ihren Besitz streitig machen, werden sich die Kleinen nur umso energischer daran klammern!

So wird Pauls Mama sich darauf beschränken, ihrem Sohn das Teilen vorzumachen: „Möchtest du ein Stück von meiner Schokolade?“ Und vielleicht spricht sie vor Heikes und Jans nächstem Besuch mal mit ihm darüber, was er denn mit seinen Gästen spielen möchte. Früher oder später, darauf darf sie vertrauen, wird ihr Sohn merken, dass „Teilen“ mehr bedeutet als „Abgeben“.

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