Dienstag, 14:23 Uhr

Aktiv oder aggressiv?

Kinder unter Strom

Aggressiv? Mein Kind doch nicht! Ja klar, es ist lebhaft, manchmal auch laut, ergreift gern die Initiative. Und es wehrt sich, wenn es angegriffen wird. Aber aggressiv?

Wo immer Kinder mit ihrem Verhalten auffallen, auf dem Spielplatz, in Eltern-Kind-Gruppen oder in der Kita, gehört das Prädikat „aggressiv“ zum Grundwortschatz. Die meisten Eltern verstehen es als Vorwurf an ihr Kind (und als Kritik an ihrer Erziehung); „aggressiv“ empfinden sie als negativ, als das genaue Gegenteil von angemessenem sozialem Verhalten. Andererseits: Ein bisschen „Aggression“ wünschen viele Mütter und Väter ihren Kindern durchaus; das lateinische Ursprungswort aggredi heißt nämlich nicht mehr als „auf etwas zugehen“, das Gegenteil von „sich zurückziehen“. Und ein ruhiges und zurückgezogenes Kind wirkt für seine Umgebung zwar oft angenehm, kommt aber möglicherweise nicht auf seine Bedürfnisse, weil es Auseinandersetzungen scheut. Da ist es vielen Eltern doch lieber, wenn ihr Kind seine Interessen aktiv vertritt und sich durchsetzen kann.

Nur: Was ein wünschenswertes Maß an Durchsetzungsfähigkeit ist, daran scheiden sich die Geister. Manches, was die einen als „gesunde“ Selbstbehauptung bezeichnen, empfinden andere schon als Rücksichtslosigkeit. Was wirklich angemessen und was zu viel ist, lässt sich oft nur mit einem genauen Blick auf den konkreten „Fall“ entscheiden: Welche Mittel setzt ein Kind ein, um sich durchzusetzen? Müssen andere deswegen zurückstecken oder gar leiden? Übrigens sind Kinder, die immer nur den Ton angeben und „Bestimmer“ sein wollen, unter Spielgefährten nicht unbedingt die beliebtesten.

Neben dem Durchsetzungswillen schwingt in dem Wort „Aggressivität“ oft noch eine andere Bedeutung mit: dass ein Kind nämlich ständig „unter Strom steht“ und seine (Wut-)Gefühle nicht kontrollieren kann, sondern gegen andere richtet oder ihnen scheinbar sogar „aus Spaß“ weh tut. Meist weisen solche Aggressionen darauf hin, dass es dem Kind nicht gut geht – Aggressivität ist also ein Notsignal und für die Erwachsenen ein dringender Anlass nachzudenken: Worauf reagiert das Kind mit diesem Verhalten? Fühlt es sich zurückgesetzt? Überfordert? Hat irgend etwas sein Leben einschneidend verändert? Der Verlust eines lieben Menschen, ein Umzug, der Kindergarten? Kinder brauchen nach solchen Erlebnissen Eltern, die sich auf die Suche machen, Verständnis zeigen, für Beruhigung sorgen und dann mit ihm über seine Nöte und sein Verhalten sprechen. Dazu gehört es aber auch, freundlich und fest Grenzen zu setzen und Kinder notfalls aus der aufgeheizten Situation herauszunehmen.

So können Kinder nach und nach lernen, mit Frustrationen umzugehen und nicht bei jedem Widerstand auszuflippen. Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung – das bleibt das ganze Leben lang so. Gut deshalb, wenn Eltern kontinuierlich gemeinsam mit ihren Kindern Lösungen suchen und herausfinden, was ihnen hilft und was sie brauchen, um mit anderen Kindern oder Erwachsenen auch in herausfordernden Situationen klarzukommen.

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