Freitag, 05:56 Uhr

Doktorspiele

Ohne peinliche Gefühle

Im Spielplan von Kindergartenkindern gehören Doktorspiele zum typischen Repertoire. Um das vierte, fünfte Lebensjahr interessieren sie sich bewusster dafür, dass und wie sich Männer und Frauen, Jungen und Mädchen „untenrum“ und auch sonst unterscheiden; außerdem wecken Berührungen an Scheide oder Penis manchmal so angenehme Gefühle. Ganz natürlich also, dass sie der Sache auf den Grund gehen wollen.

Die meisten Eltern sehen das so. Und möchten auf keinen Fall durch ständige Ermahnungen, Nachfragen und Kontrollen bei ihren Kindern den Eindruck erwecken, Nacktheit und sexuelle Neugier seien etwas Anrüchiges oder Verbotenes – mit dem Ergebnis, dass sie ihre Aktivitäten in Zukunft möglichst geheim halten. Trotzdem fühlen manche Mütter und Väter sich unbehaglich dabei. Nicht nur, dass Doktor Mia mit den Spielzeug-Instrumenten aus dem Arztkoffer allzu heftig an Scheide und Po ihrer Patientin Anne herumfummeln könnte. Schlimmer: Man hört und liest so viel über sexuellen Missbrauch und das „unnatürlich sexualisierte“ Verhalten mancher Kinder – wer garantiert denn, dass die Doktorspiele wirklich Spiele bleiben und unser Kind dabei nicht zu irgendwelchen sexuellen Handlungen verleitet wird, die es eigentlich gar nicht will?

Ein paar Regeln für die Doktorspiele müssen deshalb sein: bitte nur unter Gleichaltrigen, keine „Untersuchungen“, bei denen ein Kind dem anderen etwas in die Scheide oder den Po steckt … Doch damit allein ist es nicht getan. Kinder brauchen vor allem das Selbstbewusstsein, sich gegen „falsche“ Doktorspiele zu wehren, und dazu verhilft ihnen ein respektvoller, offener Umgang mit Körperlichkeit in der eigenen Familie.

Atempause

Schütze du,
was mir heilig ist,
weil ich es selbst
nicht vermag.

Hüte du,
die mir lieb sind,
weil ich sie selbst
nicht behüten kann.

Erhelle du,
was mir Angst macht,
weil du selbst
das Licht bist.

Berge du,
was ich begonnen habe,
weil du selbst
die Vollendung bist.

Martina Kreidler-Kos
aus: Martina Kreidler-Kos / Nikolaus Kuster / Ancilla Röttger (Hg.): Mein Leben leuchten lassen. Heute beten mit Klara und Franz von Assisi, © Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2015. www.verlagsgruppe-patmos.de

Gut deshalb,

  • wenn sie von Anfang an wissen, dass sie nachdrücklich Nein sagen dürfen und sollen, wenn sie etwas nicht mögen; das gilt auch gegenüber Verwandten und den Eltern, egal ob bei Küsschen und anderen Liebkosungen oder bei wilden Rauf- und Kitzelspielen,
  • wenn die Eltern aus Nacktheit und ­Sexualität keine Geheimnisse machen und neugierige Fragen der Kinder mit ein­fachen Worten beantworten,
  • wenn die Kinder wissen, wie unterschiedlich Frauen und Männer aussehen und wozu Busen, Scheide und Penis da sind,
  • wenn die Eltern ihrerseits auf Einhaltung der Grenzen bestehen, die ihnen das ­eigene Schamgefühl vorgibt.

In einer solchen Atmosphäre können Eltern und Kinder über die Doktorspiele ohne erhobenen Zeigefinger einerseits und ohne peinliche Gefühle andererseits miteinander sprechen und klingen die Nachfragen und auch die Regeln der Großen eher wie freundliche Tipps als wie halbe Verbote.

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