Freitag, 10:58 Uhr

Kinder und Konsum

Raus aus dem Schlaraffenland

Eltern mit großen Kindern haben’s schwer. Deren Outfit muss von Edel-Marken stammen, ebenso wie die Anlage im Kinderzimmer. Und das Taschengeld muss nicht nur für Kino, Disco und Squash-Center reichen, sondern auch für die „Events“ in der Umgebung. Als ob das Geld auf der Straße läge! Ein Glück, dass die Fünfjährigen noch nicht auf dem Konsum-Trip sind!

Wirklich nicht? Wie ist das denn zum Beispiel auf dem Jahrmarkt? Sagen die Eltern ihrem Liebling wirklich, dass das Kirmesgeld nach Kettenkarussell, Autoscooter und Riesenrad ausgegeben ist? Oder genehmigen sie ihm großzügig auch noch Lebkuchenherz und Tröte?

Atempause

Mitgift

sie schenkte ihm
ein haus
ein kind
ihren namen
nicht sich
er hoffte auf alles
hatte haus frau kind
und blieb allein
sie wartete
auf ein wunder
sie schenkten sich
zweithaus
zweitkind
und fuhren fort
zu warten zu hoffen
so lebten sie hin.

Ludger Hoffmann

Oder zu Weihnachten: Fiebern die lieben Kleinen wirklich der Bescherung entgegen? Oder wissen sie schon vorher, dass sie die bestellten, Verzeihung: gewünschten Spielsachen ausnahmslos unter dem Weihnachtsbaum finden werden?

Und im Alltag: Bedeuten Süßigkeiten für das Kind noch Genuss? Oder gehören sie schon zur normalen Ernährung? Trauen Mutter und Vater ihm zu, mit Langeweile allein fertig zu werden? Oder unterbrechen sie lieber ständig ihre Arbeit und spielen den Entertainer? Haben sie nicht das Gefühl, dass ihr Kind längst Spielzeug satt hortet? Und bringen es doch nicht übers Herz, ihm den Wunsch nach Miami-Barbie (zusätzlich zu Blümchen- und Geburtstags-Barbie) abzuschlagen? Konsumgewöhnung und -erziehung beginnen längst, bevor Kinder das erste Taschengeld bekommen. Als Babys lebten sie noch wie im Schlaraffenland; bei jedem Mucks bemühten sich die Eltern, ihre Bedürfnisse nach Nahrung, Wärme und Zuwendung zu erfüllen. Kein Wunder, dass Zwei- und Dreijährige wie selbstverständlich die ganze Welt für sich beanspruchen! Auf dem Spielplatz lernen sie schnell, wie wichtig „Haben“ ist: Wer ein neues Kettcar vorführen kann, genießt Aufmerksamkeit und Bewunderung. Und im Vorschulalter schauen sie immer häufiger zu, wenn im Fernsehen Schokoriegel Familien glücklich machen.

Gegen diese mächtigen Eindrücke brauchen Kinder ein besseres Vorbild. Zum Beispiel Eltern, die

  • lieber etwas selbst machen als kaufen,
  • Kasperltheater spielen, statt eine Videokassette einzulegen,
  • die Kinder in den Arm nehmen und drücken, statt sie mit Gummibärchen oder Spielzeugautos zu belohnen,
  • ihre Wünsche ernst nehmen und mit ihnen darüber reden, aber nicht jeden Wunsch gleich als Befehl auffassen,
  • den Kindern klar machen, dass größere Anschaffungen manchmal Verzicht erfordern: „Wenn wir heute in den Freizeitpark fahren, fehlen uns 100 Euro für dein neues Fahrrad. Dann musst du länger darauf warten.“
  • sich selbst Muße und Langeweile gönnen, statt sie mit Fernsehen totzuschlagen,
  • sich selbst auch nicht alles leisten müssen, was sie sich leisten könnten.

So erfahren Kinder, dass die Welt kein Konsumparadies ist. Und, noch wichtiger, dass Glück nicht durch Non-Stop-Konsum entsteht. Dagegen produzieren viele Kinder, denen die Eltern jeden Wunsch von den Augen ablesen, fast wie süchtig immer neue Wünsche – ein sicheres Zeichen dafür, dass sie so nicht glücklich werden. Wenn das Leben nur noch aus Höhepunkten besteht, verliert jeder einzelne seinen Glanz; wirklich genießen kann deshalb nur, wer auch mal verzichten kann.

Nicht vergessen

In der Zeit vom 60. bis 64. Lebensmonat ist die Vorsorgeuntersuchung, die „U9“, fällig. Also bald einen Termin in der Kinderarztpraxis vereinbaren!

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