Dienstag, 14:20 Uhr

Schulanfang

Bangemachen gilt nicht

Bald ist das Warten vorbei. Den Ranzen auf dem Rücken, die Zuckertüte im Arm wandern die Abc-Schützen zum ersten Mal zur Schule. Wie der Start in den neuen Lebensabschnitt gelingt, fragten die „Elternbriefe“ Martina Schäfer, Lehrerin in Meerbusch bei Düsseldorf.

Mit welchen Gefühlen kommen die Erstklässler in die Schule?

Die allermeisten brennen darauf, Rechnen, Lesen und Schreiben zu lernen. Außerdem sind sie mächtig stolz, ein Schulkind zu sein. Manche empfinden anfangs auch noch ein bisschen Angst vor dem Neuen; aber die verfliegt schnell.

Kommt diese Angst auch von den Eltern?

Manche Erwachsene reden leider immer noch vom „Ernst des Lebens“, der angeblich mit der Schule anfängt. Oder sie belasten ihr Kind mit vagen Befürchtungen wie: „Ich konnte auch nie gut rechnen.“ Sie übersehen dabei, dass Schule heute ganz anders arbeitet als früher. Vor allem nehmen sie den Kindern ein Stück Mut und Vorfreude.

Eine große Umstellung bedeutet die Schule für Kinder aber immer noch?

Natürlich. Die Lehrerinnen, der Hausmeister, die neuen Mitschüler, der strengere Tagesrhythmus, die Regeln im Unterricht – daran und an vieles andere müssen Schulanfänger sich erst gewöhnen. Besonders auf dem Schulhof oder im Schulbus, wo sie sich mit größeren Schülern auseinander setzen müssen, fühlen sie sich manchmal hilflos und entwickeln Ängste.

Was können Eltern dagegen tun?

Viele begleiten ihre Kinder in den ersten Wochen auf dem Schulweg; ich finde das auch sinnvoll. Noch besser dran sind Kinder mit älteren Geschwistern, die auf die Kleinen aufpassen. Diese Aufgabe übernehmen in vielen Schulen auch ältere Schüler als „Paten“ der Abc-Schützen.

Und wie können Eltern ihre Kinder sonst unterstützen?

Vor allem, indem sie sich Zeit nehmen und gut zuhören, wenn ihr Kind von der Schule erzählt. Das heißt nicht: das Kind ausfragen, schon gar nicht einseitig nach dem Muster: „Was hast du heute gelernt?“ Anfangs erzählen die Kleinen oft viel lieber von neuen Freunden, von Ereignissen auf dem Schulhof oder Schulweg. Darauf müssen Eltern eingehen. Solche Erlebnisse lösen oft starke Gefühle bei den Kindern aus und haben großen Einfluss auf ihre Einstellung zur Schule und ihre Bereitschaft zu lernen.

Welche Mitarbeit erwarten Sie von den Eltern?

Dass sie ihr Kind regelmäßig zur Schule schicken, ihm das notwendige Arbeitsmaterial beschaffen und ein vernünftiges Pausenbrot mitgeben. Leider haben manche Eltern so viel mit sich selbst zu tun, dass es schon an diesen grundlegenden Dingen hapert.

Darüber hinaus erwarte ich, dass Eltern die Hausaufgaben anschauen, die Elternabende und -sprechtage wahrnehmen und dass sie aktiv werden, wenn ihr Kind Probleme hat.

Was heißt „aktiv werden“? Wenn Eltern zum Beispiel merken, dass ihr Kind langsamer lernt als andere oder mit den Hausaufgaben nicht fertig wird?

Dass andere Kinder schneller lernen, braucht Eltern nicht nervös zu machen. Jedes Kind hat seinen eigenen Entwicklungsrhythmus; möglicherweise holt es später im Expresstempo nach, was es jetzt „versäumt“. Eltern dürfen also nicht nur Leistung fordern, sonst befürchtet ihr Kind bald: „Ich kann das nicht“ und verliert den Mut. Das wäre das Schlimmste.

Was sollen Eltern stattdessen tun?

Ihre Beobachtungen und Sorgen mit der Lehrerin besprechen. Manchmal ergeben sich daraus wichtige Hinweise für meine weitere Arbeit. Umgekehrt erwarte ich aber auch, dass Eltern meine Empfehlungen ernst nehmen, zum Beispiel mögliche Probleme ihrer Kinder durch einen Fachmann klären zu lassen. Die Hoffnung „Das wächst sich schon aus!“ kann ja trügen.

Müssen Kinder jetzt auf Freizeit-Termine verzichten, um sich ganz aufs Lernen zu konzentrieren?

Wenn ihr Herz am Fußball, Tanzen oder Musizieren hängt, würde ich Abstriche möglichst vermeiden. Durch die Schule ändert sich schon genug; deshalb können andere Beschäftigungen, bei denen ein Kind sich „zu Hause“ fühlt, als Gegengewicht gut tun. Allerdings sollten diese Hobbys nicht wie die Schule organisiert sein. Und ich würde gut beobachten, wie mein Kind mit dem neuen Tagesrhythmus zurechtkommt. Aber vor allem dürfen Eltern nicht vergessen, dass ihr Kind nicht nur ein Schulkind und dass die Schule nicht das ganze Leben ist.

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