Sonntag, 06:18 Uhr

Pause für TV und Smartphone

Die Kraft aus der Stille

Die Kraft aus der Stille

Etwas wurde anders bei den Müllers, nachdem ihr Fernseher kaputtgegangen war. „Mein Mann und ich hatten keine Zeit, uns schnell um Ersatz zu kümmern“, erzählt Sandra Müller. „Leon war gewohnt, nach der Schule auf dem Sofa beim Fernsehen zu chillen; ich hatte nichts dagegen, weil ich dadurch Zeit gewann, bis das Essen fertig war. Doch jetzt war der Fernseher kaputt. Leon schoss wütend in sein Zimmer, knallte die Tür zu – und dann war auf einmal Stille. Als ich zum Essen rief: keine Reaktion. Ich schaute in seinem Zimmer nach, da lag Leon der Länge nach auf dem Boden, ganz in einen Lego-Bau versunken.“

In dem Moment, sagt Sandra Müller, habe sie etwas kapiert. Dank des kaputten Fernsehers entdeckten die Müllers nicht nur, dass ihr Sohn nach solchen stillen Momenten erheblich ausgeglichener wirkte; sie stellten auch fest, dass sie selbst gestresst waren von der alltäglichen Geräusch­kulisse in ihrer Wohnung. Morgens schon die Frühnachrichten aus dem Radiowecker, die Beschallung aus dem Küchenradio beim Frühstück, die unvermeidliche Lärm­kulisse auf der Straße, die Hintergrund-Beschallung im Job, das ständige Klingeln des Smartphones, abends dann das Geplapper, die Musiksoße und das Geballer aus dem TV auf dem Sofa … „Uns war gar nicht bewusst, wie sehr wir alle nach Stille regelrecht lechzen“, erzählt Sandra Müller rückblickend.

Die fernsehlose Zeit hat die Familie Müller genutzt, um aus den alten Gewohnheiten auszusteigen. Das Radio bleibt jetzt morgens aus. Nach der Schule spielt Leon erst mal eine Runde oder chillt „einfach so“, ohne Medien-Begleitung. Abends ist plötzlich mehr Zeit da, um mit Leon ein Buch zu lesen, Karten oder ein Brettspiel zu spielen. Leon mag es besonders, dabei nur eine Kerze oder das kleine Lese-Licht anzuzünden – und dann auf dem Sofa mit den Eltern zu kuscheln, am liebsten mit beiden. Die Stimmung bei dem gedämpften Licht wirkt so beruhigend und entspannend! Leon genießt diese neuen Erfahrungen sichtlich. „Schöner als früher“, sagt er zufrieden.

Irgendwann haben seine Eltern den Fernseher doch ersetzt. Aber der läuft jetzt nicht mehr so oft und vor allem nicht mehr „automatisch“. „Wir wissen jetzt, dass wir immer mal wieder Stille brauchen, um zur Ruhe und zu uns selbst zu kommen“, meint Sandra Müller. „In der Stille können wir uns erholen und neue Kräfte tanken, im Alltag liebevoller miteinander umzugehen. Wir sind uns seitdem näher gekommen, als Paar und als Familie.“

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