Dienstag, 14:34 Uhr

Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch

Macht die Kinder stark!

Ob ein Kind Opfer von sexuellem Missbrauch oder anderen körperlichen Übergriffen wird, hängt nicht nur davon ab, ob es zur falschen Zeit am falschen Ort mit einem möglichen Täter zusammentrifft. Kinder sind unterschiedlich stark gefährdet, in kritische Situationen zu geraten. Und sie sind auch unterschiedlich fähig, mit solchen Situationen umzugehen. Am besten geschützt sind Kinder, die

  • Selbstsicherheit und Sicherheit in ihren Empfindungen und Gefühlen haben – denen also Empfindungen nicht ausgeredet wurden („Das tut doch nicht weh.“ „Du brauchst doch keine Angst zu haben.“),
  • eine unverkrampfte Einstellung zu ihrem Körper, zu körperlichen Berührungen und Sexualität haben und unverklemmt darüber sprechen können,
  • festes Vertrauen zu ihren Bezugspersonen haben.

Vorbeugung gegen Übergriffe und Miss-brauch besteht also keinesfalls darin, ständig zu warnen und Angst zu machen. Angst führt zu Unsicherheit und Schwäche. Und gerade unsichere Kinder locken potenzielle Täter an. Denn bei ihren sexuellen Übergriffen geht es ihnen oft darum, sich überlegen zu fühlen und Macht auszuüben.

Es gilt also, Kinder von Anfang an stark zu machen und sie zu befähigen, über sich und ihren Körper selbst zu bestimmen. Dazu gehört, dass sie das Recht haben, „Nein!“ zu sagen, wenn es um ihre Gefühle und um ihren Körper geht. Ein Kind muss auch der Oma, die es gerade beschenkt hat, nicht auf Kommando ein Küsschen geben. Wenn es nicht will, dürfen auch die Eltern es nicht drängen, sich von Papas Chef auf den Arm nehmen zu lassen.

Wenn Kinder nämlich die Erfahrung machen, dass sie auch im Familien- und Freundeskreis nicht „lieb“ sein müssen und dass ihre Empfindungen ernst genommen werden, dann können sie auch „Nein!“ sagen, wenn ein „lieber Onkel“ sich ihnen annähert. Sich gegen unerwünschte Berührungen zu wehren, ist das gute Recht von Kindern, in der Familie genauso wie in der Schule oder in der Freizeit mit vertrauten Personen. Darin müssen Eltern ihre Kinder bestärken.

Nur wenn Kinder einen unverkrampften Umgang mit Zärtlichkeit und Sexualität kennen gelernt haben, können sie sich in kritischen Situationen richtig verhalten. Wenn Sexuelles dagegen den Beigeschmack von etwas Besonderem oder Verbotenem hat, macht alles neugierig, was damit zu tun hat. Und wenn Kinder im Alltag wenig Zärtlichkeit erleben, sind sie umso leichter verführbar. Dann ist es für sie auch besonders schwer, zu unterscheiden zwischen angemessenen zärtlichen Berührungen und solchen, bei denen es Erwachsenen um ihre eigene Lust oder Aggression geht.

Erwachsene, die in der Kindheit oder Jugend Opfer von sexuellem Missbrauch waren, sind im Rückblick oft fassungslos darüber, dass die Eltern oder andere Vertraute das nicht bemerkt und ihre Hinweise nicht verstanden haben. Vor allem Täter aus dem näheren Umfeld – Verwandte, Nachbarn, Freunde – erscheinen oft zunächst als kinderlieb, haben Zeit, erfüllen Wünsche, machen Geschenke.

Wenn es dann zu Übergriffen kommt, sind die betroffenen Kinder in einem Zwiespalt. Es fällt ihnen schwer, eindeutige Hinweise zu geben oder von kritischen Vorkommnissen zu erzählen. Manchmal haben sie das Gefühl, an dem, was passiert, selbst schuld zu sein. Oft kommt dann noch der Druck der Täter hinzu: „Wenn du das erzählst, bin ich nicht mehr dein Freund.“

Deshalb brauchen Kinder die Sicherheit, mit ihren Eltern über alles sprechen zu können. Die Eltern ihrerseits brauchen Einfühlungsvermögen und Gespür dafür, wann ihre Kinder über positive Erfahrungen sprechen und wann es um Erlebnisse geht, bei denen Erwachsene Kinder für ihre Bedürfnisse ausnutzen. Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch bedeutet aber vor allem auch, offen und kritisch auf die Situationen zu schauen, in denen ein Kind körperliche Erfahrungen macht. Auch im engsten Familienkreis müssen Eltern gegebenenfalls einschreiten, wenn ein Erwachsener im Umgang mit einem Kind Grenzen nicht wahrt.

Hier finden Eltern bei einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch Hilfe:

Familienberatungsstellen (Adressen)
Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, Herrnstraße 53, 90763 Fürth,
www.bke.de

Kinderschutzzentren (Adressen)
Bundesgeschäftsstelle der Kinderschutzzentren, Bonner Straße 145, 50968 Köln,
www.kinderschutzzentren.org

Ausführliche Informationen zu diesem Thema enthält der Sonder-Elternbrief Was tun gegen Missbrauch? Er beschreibt sowohl Möglichkeiten zur Vorbeugung als auch das richtige Verhalten im Ernstfall.

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