Donnerstag, 10:54 Uhr

Wenn Kinder leiden

Mit-Gefühl macht stark

Mit-Gefühl macht stark

Seit Tagen hat Anna sich in ihr Schneckenhaus verkrochen. Das neugeborene Brüderchen zieht alle in seinen Bann; sie fühlt sich ausgeschlossen. Es tut ihr weh, plötzlich die Liebe und Zuwendung der Eltern teilen zu müssen.

Auch für Annas Eltern ist das nicht leicht. Sie sind so glücklich, dass ihr Sohn gesund zur Welt gekommen ist. Und Anna wird es deswegen an nichts fehlen; sie lieben sie doch genauso wie bisher! Wenn sie bloß wüssten, wie sie ihr helfen und ein gutes Gefühl geben könnten!

So wie Annas Eltern fühlen sich viele Erwachsene, wenn ihre Kinder leiden: Manchmal fällt es ihnen schwer, die Tragweite des Leidens und den Schmerz ihrer Kinder zu verstehen. Die leiden nicht nur, wenn sie Misserfolge in der Schule erleben, eine schlimme Krankheit sie ans Haus fesselt oder die beste Freundin wegzieht, wenn die Eltern sich ständig streiten oder trennen oder beim Tod eines geliebten Menschen. Sie leiden auch, wenn die jüngere Schwester ihrer Lieblingspuppe die Füßchen zerbeißt oder das Zwergkaninchen gestorben ist – bei Ereignissen also, die Erwachsene spontan als „nicht so tragisch“ einstufen und bei denen sie nicht mit-leiden. Dazu kommt: Je nach Temperament und Ursache leidet jedes Kind anders. Das eine zieht sich stumm in sich zurück, entwickelt Angst vor dem Alleinsein und / oder hat Albträume; ein anderes weint, schreit, dreht auf, wird aggressiv, das dritte reagiert (scheinbar) „cool“ und unberührt. Umso schwerer fällt es oft, den wahren Gefühlen der Kinder und den Auslösern auf die Spur zu kommen.

Und dann: sie zu trösten. Das heißt auf keinen Fall: den Kummer und das Leid schnell „wegmachen“, die Kinder ablenken, das gestorbene Kaninchen durch ein anderes ersetzen oder ihnen gar ihre Gefühle ausreden („Das ist doch nicht so schlimm, in ein paar Tagen hast du’s vergessen.“). Sie fühlen sich dann nicht ernstgenommen, alleingelassen und werden womöglich irre an den eigenen Gefühlen. Stattdessen gilt es, ihren Schmerz und ihre Trauer ernstzunehmen und mit ihnen auszuhalten.

Das Allerwichtigste ist: Die Kinder müssen das Mit-Gefühl, das Verständnis der Eltern spüren, sie brauchen tröstliche Worte und körperliche Nähe. Viele gewinnen neue Kraft, indem sie über ihr verlorenes Glück sprechen und sich, gern auch mit Hilfe von Fotos, frohe und schöne Erlebnisse in Erinnerung rufen. Andere malen lieber, was sie beschäftigt, oder spielen es mit Puppen nach. Und manchen gibt es Hoffnung und Zuversicht, ihren Kummer im Abendgebet dem lieben Gott zu erzählen im Vertrauen darauf, dass er gut für sie sorgt.

Eltern, die selbst trauern, brauchen ihre Gefühle vor den Kindern nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Die Trauer der Eltern zeigt ihnen, dass ihr Schmerz „richtig“ ist und dass Mama und Papa mit ihnen fühlen. Viele lassen sich deshalb gern in die „Trauerarbeit“ der Erwachsenen einbeziehen – pflegen mit ihnen das Grab der Großeltern, helfen beim Anlegen eines Erinnerungsalbums oder eines Kästchens mit Andenken … Erwarten dürfen Eltern das aber nicht – auch wenn das Verständnis in solchen Momenten schwerfallen mag, dass Kinder anders leiden und trauern.

Woran auch immer Kinder leiden und wie auch immer sie das tun: Für ihre seelische Entwicklung ist es wichtig, dass Eltern ihre Gefühle wahrnehmen, ihnen Zeit lassen, sie zu verarbeiten, und sie dabei einfühlsam begleiten. Ersparen können Mütter und Väter ihren Kindern diese Erfahrung sowieso nicht, sie gehört zum Leben. Aber sie haben Grund zu hoffen: Was unser Kind jetzt gerade durchmacht, stärkt es für ähnliche Erfahrungen in der Zukunft wird ihm helfen, sein Leben zu bewältigen.

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