Donnerstag, 17:29 Uhr

Kummer, Schmerz, Enttäuschung

Wenn Leid zu Stärke wird

Anna ist seit Tagen ganz in sich zurückgezogen. Das neue Brüderchen zieht alle in seinen Bann. Anna fühlt sich ausgeschlossen. Es tut ihr weh, plötzlich die Liebe und Zuwendung der Eltern teilen zu müssen.

Für Annas Eltern ist die Situation auch nicht einfach, denn sie lieben Anna nicht weniger als bisher. Sie sind ratlos.

Wenn Kinder leiden, geht es vielen Erwachsenen wie Annas Eltern. Nicht immer verstehen sie die Tragweite des Leidens und die Tiefe des Schmerzes ihrer Kinder, und nicht immer finden sie spontan eine Lösung. Immerhin: Wenn die Eltern das Leid des Kindes erkannt haben, ist ein erster wichtiger Schritt bereits getan.

Kinder leiden aus unterschiedlichen Gründen und unterschiedlich heftig. Sei es, weil das Zwergkaninchen stirbt, die jüngere Schwester der Lieblingspuppe die Füßchen zerbeißt, die Eltern sich streiten oder trennen, weil sie Misserfolge in der Schule erleben oder eine langwierige Krankheit sie ans Bett fesselt. Ganz zu schweigen vom schlimmsten Leid eines Eltern- oder Kinderlebens, dem Tod eines nahe stehenden Menschen.

Kinder reagieren auf diese Leid-Erfahrungen sehr unterschiedlich, je nach der Ursache, aber auch nach ihrem Temperament. Die einen ziehen sich stumm in ihr Schneckenhaus zurück; andere weinen, schreien, toben, drehen auf, werden aggressiv, entwickeln Angst vor dem Alleinsein und/oder haben Albträume. Wieder andere bleiben scheinbar völlig kühl und unbewegt.

Kindliches Leiden stellt Eltern und ihre Umgebung vor eine große Aufgabe. Es gilt das Kind mit seinem Schmerz und seiner Trauer ernst zu nehmen, sie mit ihm auszuhalten. Es hilft ihm nicht weiter, wenn die Erwachsenen es von seinem Kummer abzulenken versuchen oder sein Leid einfach ungeschehen machen wollen, indem sie zum Beispiel das gestorbene Kaninchen durch ein anderes ersetzen.

Für die seelische Entwicklung von Kindern ist es wichtig zu lernen, schwere Zeiten durchzustehen, Leid auszuhalten, damit umzugehen und es, so weit wie möglich, zu bewältigen. Denn auch beim besten Willen können Eltern ihren Kindern Leid nie ganz ersparen. Ihnen dann die Möglichkeit zu lassen, Trauer und Leid zu durchleben, bedeutet zugleich sie zu befähigen, auch in Zukunft mit Leid umzugehen. Das setzt freilich voraus, dass die Mütter und Väter selbst bereit sind, das Leid ihrer Kinder auszuhalten.

Eltern dürfen ihren Nachwuchs also auch nicht einfach mit seinem Leid allein lassen.  Sie können ihm auf verschiedene Weise beistehen. Das Allerwichtigste: Die Kinder müssen das Mit-Leid der Eltern spüren, brauchen tröstliche Worte und körperliche Nähe. Dabei dürfen und sollen die „Großen“ ruhig auch ihren eigenen Kummer zeigen. Umso mehr erfahren die Kinder, dass sie ihren Schmerz teilen.

Erst, wenn ein Kind von sich aus dazu bereit ist, können Eltern mit ihm je nach Ursache gemeinsam versuchen, Wege aus dem Leid zu finden. Manchen hilft es zu malen, was sie bedrückt; andere spielen es immer wieder mit Puppen nach. Oder sie gewinnen neue Kraft, indem sie darüber sprechen oder sich frohe und schöne Erlebnisse in Erinnerung rufen. Allerdings müssen Eltern damit rechnen, dass nicht alle Kinder auf solche Angebote reagieren.

Kinder suchen in leidvollen Situationen aber auch etwas, das ihnen die Hoffnung und Zuversicht gibt, dass nicht alles zu Ende ist. Oft ist es schon ein Trost, wenn sie im Abend- oder Morgengebet ihren Kummer und ihre Sorgen aussprechen können im Vertrauen darauf, dass Gott ihnen nahe ist.

Doch nicht nur die Kinder benötigen solche Perspektiven, sondern auch ihre Eltern. Denn sie können manchmal nur geduldig, vielleicht sogar ohnmächtig das Leid ihres Kindes aushalten. Da kann es eine Hilfe sein zu wissen, dass das, was ihr Kind in diesem Moment durchmacht, es letztendlich auf zukünftige Lebenserfahrungen vorbereitet, es stärkt und befähigt, sein Leben zu bewältigen.

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