Montag, 19:19 Uhr

Rituale

Bilanz an der Bettkante

Seit einer ganzen Weile lernt das Kind jetzt schon lesen, und die Angst vor der Dunkelheit im Kinderzimmer hat es sowieso schon lange nicht mehr. Braucht es das jetzt wirklich noch, dass die Eltern Abend für Abend bei ihm an der Bettkante sitzen, ihm vom Räuber Hotzenplotz oder Pippi Langstrumpf vorlesen und mit ihm beten?

Klar: Sechsjährige können sich auch alleine im Bett noch ein Buch anschauen; Eltern müssten dann nur zur gegebenen Zeit noch einmal nachschauen und das Licht löschen. Zwei gewichtige Argumente sprechen aber dafür, das liebgewordene Gute-Nacht-Ritual nicht voreilig aufzugeben:

  • „Vorlesen behält seinen Wert noch lange über den ersten Schultag hinaus“, betonen die Lese-Experten. Mit Hilfe ihrer Eltern können Kinder dabei in spannende Welten eintauchen, die alleine zu buchstabieren für viele noch zu mühsam wäre. Der Markterfolg von „Hörbüchern“ in jüngster Zeit zeigt, dass sogar Erwachsene das Vorlesen noch genießen.

Mit Kindern beten

Diese Briefe „An den lieben Gott“ haben Erstklässler im Religionsunterricht geschrieben:

Lieber Gott,
danke, dass ich heute in der Schule gut war.
Könnte ich auch im Lesen gut sein?

Lina

Lieber Gott,
ich will in den Urlaub fahren,
aber meine Eltern haben kein Geld.
Ich möchte nach Gran Canaria.

Jennifer

Lieber Gott,
danke, dass mein Papa mit mir
ganz tolle Sachen macht.
Irgendwie hat er ganz dolle Schmerzen.
Kannst Du meinen Papa heilen?

Svenja

Lieber Gott,
ich danke Dir, weil ich so gute Freunde habe.

Dein Kevin

Lieber Gott,
danke für alles. Vielen Dank.

Can

  • Wichtiger noch: Das abendliche Ritual bietet Eltern und Kindern eine ideale Möglichkeit, die Ereignisse des Tages noch einmal Revue passieren zu lassen und zu verarbeiten: Erfolge und Enttäuschungen in der Schule, Ärger mit Schul- und Spielgefährten, manchmal auch Streit mit den Eltern um Selbstständigkeits- und/oder Konsumwünsche.

Solche Gespräche, für die tagsüber oft zu wenig Zeit bleibt, können Eltern zwanglos in ein frei formuliertes Nachtgebet münden lassen. Aber bitte nicht mit dem Ziel, den Kindern nachträglich ins Gewissen zu reden nach dem Motto: „Lieber Gott, hilf mir, meine Hausaufgaben besser zu machen.“ Vielmehr müssen sie spüren: Auch wenn’s tagsüber hoch her ging und die Eltern mit mir unzufrieden waren – sie behalten mich lieb. In dieser Gewissheit können sie versöhnt schlafen.

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