Mittwoch, 18:52 Uhr

Hausarbeit

Wer ist schon gerne Handlanger?

Dass Kinder im Haushalt mithelfen sollten, steht für die meisten Eltern außer Frage. Sie wissen: Kinder gewinnen durch Aufgaben, die man ihnen zutraut und die sie erfolgreich bewältigen, Selbstvertrauen und Selbstständigkeit. Sie lernen, dass jede Gemeinschaft vom Mittun aller lebt und dass sie als Paschas nicht unbedingt glücklicher werden im Leben. Und schließlich geht vieles leichter und schneller, wenn alle mit anfassen. Nur: Um auch die Kinder davon zu überzeugen, sind Vorbild (Packen auch die Väter im Haushalt mit an?) und elterliche Strategie gefordert.

Erste Un-Möglichkeit: permanente Nörgelei. Diese Methode ist für beide Seiten nervtötend und außerdem völlig ineffektiv, zerstört jede Motivation und Eigeninitiative.

Zweite Un-Möglichkeit: die „Ich-habe-dir-schon-tausendmal-gesagt“-Tour. Auch sie fordert Kinder geradezu dazu auf, die Ohren auf Durchzug zu stellen. Denn was schon tausendmal gesagt worden ist, ohne dass es Konsequenzen hatte, wird auch beim tausendundersten Mal ohne Wirkung bleiben.

Dritte Un-Möglichkeit: der Appell an das kindliche Schuldgefühl: „Ich bin völlig mit den Nerven runter, weil ihr immer alles hinter euch liegen lasst!“ Auch diese Methode verspricht wenig Erfolg, denn sie regt eher das Erinnerungsvermögen von Kindern als ihre Hilfsbereitschaft an: „Stimmt nicht, voriges Jahr Ostern habe ich meine Stiefel selbst weggeräumt!“

Viel verlockender sind da schon Aufgaben, die nicht nur Spaß machen, sondern auch eine Herausforderung darstellen. Kaum ein Kind wird begeistert sein, wenn es nur Handlangerdienste erledigen, etwa jeden Tag die Kartoffelschalen zum Kompost bringen muss. Dagegen sind Sechsjährige mächtig stolz, wenn sie ihre Pizza selbst belegen, ihr Spiegelei braten, den Kuchen (fast) „ganz allein“ backen dürfen – und anschließend natürlich entsprechend gelobt werden. Viele Kinder spielen auch gerne „Restaurant“: Sie richten den Esstisch schön her und lassen die anderen Familienmitglieder dann ihr Abendbrot bestellen. Andere sind mit Begeisterung dabei, wenn es etwas zu hämmern oder zu schrauben gibt.

Wohl dosiert und fantasiereich vermittelt kann Hausarbeit also auch Spaß machen. Nur ist für derlei Experimente im Alltag natürlich nicht immer genug Zeit und Ruhe vorhanden. Und oft müssen eben auch langweilige und unangenehme Aufgaben erledigt werden. Sechsjährige sind durchaus in der Lage, das zu verstehen.

Eine ganz andere Sache ist, ob sie das den Eltern auch widerspruchslos zugeben. Im Falle des eher zu erwartenden lautstarken Protests können Eltern zu dem bewährten Mittel ihrer Kinder greifen und ihrerseits einmal die Ohren auf Durchzug stellen.

Auf jeden Fall jetzt bloß nicht weich werden und doch lieber schnell alles selbst machen! Das würde die Kinder nicht nur in der irrigen Meinung bestätigen, im Schlaraffenland zu leben. Sie würden auch um das Erfolgserlebnis gebracht, selbst etwas zu schaffen und zum Gelingen des Familienlebens beizusteuern.

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