Montag, 20:44 Uhr

Erziehung

Zuhören wie Momo

„Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten … Oder dass unglückliche und bedrückte zuversichtlich und froh wurden.“ So zuhören zu können wie die kleine Momo im gleichnamigen Roman von Michael Ende: Das wäre für Eltern (und ihre Kinder) eine traumhafte Vorstellung.

Zuallererst müssten sie sich dazu die spontanen Reaktionen verkneifen, die sich im Alltag oft aufdrängen, wenn Elena zum Beispiel mosert: „Frau XY ist doof. Ich geh’ nicht mehr zur Klavierstunde!“ „Natürlich gehst du. Wir haben die Stunden doch schon bezahlt!“ „Hattest du wieder nicht geübt?“ „Wart’s ab, nächste Woche sieht die Welt wieder anders aus.“ Bei solchen Reaktionen fühlen Kinder sich nicht ernst genommen, unverstanden, allein gelassen. Nicht, dass die Eltern ihnen sofort alles abnehmen müssten („Ich rede mal mit Frau XY!“). Aber sie brauchen Hilfe, ihre Gefühle zu sortieren und selbst Lösungen für ihr Problem zu finden. Genau das, versichern Kommunikationswissenschaftler, bewirkt verständnisvolles „aktives“ Zuhören. Das gehört dazu:

Atempause

So ganz
ohne Angst und
Fessel sein

Freiwillig
jeden weiteren Tag
beieinander bleiben

Heiter
die Nähe hören
im Schweigen der Nächte

und wissen
es trägt

Hejo Müller
aus: Nachts wenn der Regen  fällt
Paqué Druck und Verlag, Ramstein 1992

  • die eigene Arbeit unterbrechen, sich dem Kind zuwenden
  • die Stimmung der Kinder aufgreifen (Die einzig richtige Reaktion auf Elenas Eröffnung ist deshalb: „Du bist ja richtig sauer. Was ist denn passiert?“)
  • offene Fragen stellen, die zum Erzählen einladen (keine Ja/Nein- und Warum-Fragen)
  • ab und zu zusammenfassen („Frau XY hat also …“)
  • seine Gefühle klären („Warst du da …?“)
  • nach seinen Wünschen und Lösungs-Ideen fragen
  • gemeinsam überlegen, ob sie wirklich zum Ziel führen oder vielleicht unerwünschte Wirkungen haben
  • eigene Vorschläge möglichst zurückhalten

Keine Frage: Das erfordert Zeit und Geduld. Manchmal, wenn sie selbst unter Druck stehen, muten Eltern ihren Kindern deshalb besser zu, kurz zu warten. Aber der Aufwand lohnt sich. Aktives Zuhören (manche Psychologen sprechen auch von „Emotions-Coaching“)  festigt die Eltern-Kind-Beziehung, stärkt das Selbstvertrauen der Kinder und hilft ihnen, auch mit anderen Menschen besser auszukommen.

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