Mittwoch, 15:12 Uhr

Ethische Erziehung

Schokoriegel und andere Werte

Katharina geht nach Schulschluss kurz in den Supermarkt und lässt eine Packung Schokoriegel „mitgehen“. „Da kommst du ganz leicht unbemerkt an der Kassiererin vorbei“, hatte eine Freundin ihr gesagt. Und Katharina hatte ihr monatliches Taschengeld schon ausgegeben und eine Riesenlust auf Süßes. „Die Besitzer der Supermarktkette wird es schon nicht arm machen, wenn ich die Schokoriegel mitnehme, ohne sie zu bezahlen“, denkt sie.

Aber sie hat nicht an ihre Mutter gedacht. Die fragt nämlich gleich nach, als Katharina zu Hause ihre Beute isst: Wie sie denn an die Schokoriegel gekommen sei? „Die hat mir Claudia geschenkt“, sagt Katharina – und wird rot.

Da ist nun für die Mutter guter Rat teuer. Je nachdem wie sie reagiert, wird sich Katharina mit ihrem Verhalten auf ähnliche Situationen in Zukunft einstellen.

Die Mutter könnte zum Beispiel sagen: „Da werde ich mal bei Claudia zu Hause anrufen.“ Dann wird Katharina sich vor der Familie ihrer Freundin als Diebin und Lügnerin bloßgestellt fühlen und das nächste Mal besser aufpassen, nicht ertappt zu werden.

Oder die Mutter könnte sie anschreien, beschimpfen und ihr Vorwürfe machen. Dann wird Katharina sich ganz klein und erbärmlich fühlen und sich am liebsten verkriechen. Schon aus Angst davor, entdeckt zu werden, wird sie vielleicht nie mehr etwas stehlen.

Die Mutter könnte auch sagen: „Ich glaube, du belügst mich. Du hast die Süßigkeiten gestohlen. Wenn du stiehlst, dann mache ich mir Sorgen. Ich will nicht, dass meine Tochter zu einer Diebin wird.“ Dann wird Katharina merken, dass sie mit ihrem Diebstahl auch das Verhältnis zu ihrer Mutter getrübt hat. Sie wird in Zukunft vielleicht versuchen, auch auf die Gefühle ihrer Mutter Rücksicht zu nehmen und ihr zuliebe nichts mehr stehlen, um ihr nicht weh zu tun.

Sagt Katharinas Mutter: „Du bist gerade ganz rot geworden. Hast du die Schokoriegel wirklich von Claudia geschenkt bekommen?“, lässt sie Katharina die Möglichkeit zuzugeben, dass sie die Süßigkeiten aus dem Supermarkt gestohlen hat. „Hattest du denn so viel Hunger auf Süßes? Und du hast sie einfach mitgenommen, weil du kein Geld dabei hattest?“ Katharina spürt, dass ihre Mutter ihr Verhalten verstehen möchte. Sie kann ihr erzählen, was sie sich sonst noch dabei gedacht hat. Zum Beispiel dass viele aus ihrer Klasse das auch so machen und dass das Stehlen bei den anderen als eine Art Mutprobe gilt. Und dann können Mutter und Tochter gemeinsam überlegen: Muss man seinen Kameradinnen wirklich alles nachmachen, um dazuzugehören? Gibt es einen anderen Weg, sich seine Wünsche zu erfüllen, ohne andere damit zu schädigen? Wie das ist, wenn man selbst bestohlen wird? Wäre es nicht besser, sich anderen gegenüber so zu verhalten, wie man auch selbst behandelt werden möchte, nach dem Motto: Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu?

Das Beispiel zeigt: Wie Eltern in heiklen Situationen auf ihre Kinder eingehen, prägt deren künftiges Wertbewusstsein und Verhalten. Fühlt sich ein Kind mit seinen Wünschen und Anliegen verstanden, kann es auch lernen, den Wert von Normen und ethischen Prinzipien zu erkennen, sich in Zukunft daran zu orientieren und Fehler vielleicht wieder gutzumachen.

Eltern sollten dem Kind vermitteln, dass sie ihm nicht für immer und grundsätzlich böse sind und dass sie seine Bedürfnisse verstehen. Es muss aber auch deutlich werden, dass sie sein Verhalten nicht richtig finden. Dann lernt ein Kind, sich nicht aus Angst vor Strafe oder Liebesentzug angemessen zu verhalten. Vielmehr kann es im Gespräch mit den Eltern und in der Orientierung an ihrem Vorbild zu der Überzeugung kommen, dass etwa die Beachtung von Eigentumsgrenzen ein Wert ist. Das Kind sollte lernen, dass es zwar jeden Wunsch haben und äußern darf, dass aber nicht jeder erfüllt werden kann. Seine Wünsche haben Grenzen an den Bedürfnissen und Rechten anderer Menschen.

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