Sonntag, 17:29 Uhr

Gewalttätige Kinder

Häschen und Gorillas

Häschen und Gorillas

Schon wieder ein Anruf aus der Schule: Max ist ausgerastet, weil ein Mitschüler „seinen“ Platz im Umkleideraum besetzt hatte. Wütend hat Max den Jungen angeschrien, getreten und seinen Turnbeutel an die Wand gepfeffert. Max’ Eltern kennen das – dass ihr Sohn wie von Sinnen um sich schlägt, Teller vom Tisch fegt und sogar Türen eintritt. Seine Mutter fühlt sich manchmal richtig bedroht …

Bis zu einem gewissen Alter gehört Gewalt noch zum normalen Verhalten von Kindern (> EB 12, Kleine Rowdys im Sandkasten). Doch spätestens im Kindergarten-Alter haben die meisten gelernt, aggressive Impulse zu kontrollieren und Konflikte gewaltfrei zu lösen. Und über dieses Alter ist Max doch schon längst hinaus! Was ist da schiefgelaufen?

Die populärste Erklärung: Max schlägt, weil in seiner Familie und / oder seinem Milieu Gewalt „normal“ ist. Kinder, die geschlagen und misshandelt werden, neigen selbst dazu, im Streit zuzuschlagen. Doch lässt diese einfache Erklärung viele betroffene Eltern ratlos zurück: Wir wissen doch, dass wir unser Kind weder schlagen noch seelisch schikanieren dürfen, und halten uns daran. Und trotzdem …

Gewalt wenden Kinder aber auch an,

  • … weil ihre „Bestimmer“-Eltern Konsequenz beim Erziehen mit Diktatur verwechseln, alles selbst entscheiden und den Kindern keine Mitsprache zubilligen. Die lernen dadurch: Es kommt auf Biegen und Brechen darauf an, die Kontrolle zu behalten.
  • … weil sie sich vernachlässigt fühlen, die Eltern kaum Zeit für sie haben und sie keine anderen Mittel gelernt haben, Konflikte zu lösen.
  • … weil sie verwöhnt werden und glauben, alles drehe sich nur um sie. Deshalb fällt es ihnen schwer, auf andere Rücksicht zu nehmen und Grenzen zu akzeptieren.
  • … weil Mütter und Väter ihnen zu wenig Orientierung geben, zu viel Einfluss einräumen und sie damit überfordern. Diese Kinder sind gewöhnt, alles Mögliche zu entscheiden, sind aber nicht froh darüber und überfordert.

Nicht zuletzt verbirgt sich hinter dem Drang von Kindern nach Kontrolle und Macht eine große Angst, anders zu kurz zu kommen. Das bibbernde Häschen verkleidet sich als brüllender Gorilla …

Edelstein

Voll cool

Henry (7) legt neuerdings großen Wert darauf, „cool ‚rüberzukommen“ — die Klamotten, die Spiele, die Sprüche … Und bloß keine Abschiedsumarmung vor der Schule! Doch heute kommt er plötzlich zu mir in die Küche, greift mich — mitten im Kochen — fest um die Taille und sagt: „Jetzt brauche ich mal eine dicke Umarmung.“ Wie gut sich das anfühlt, mein Sohn so ganz nah bei mir!

Franziska, 32

Damit es so weit erst gar nicht kommt, brauchen Kinder ein familiäres Umfeld, in dem sie ein gutes Sozialverhalten entwickeln und lernen können, ihre Ziele ohne Gewalt anzusteuern. Dazu gehören  

  • ein Klima, in dem sie spüren: Ich bin meinen Eltern wichtig. Sie respektieren meine Empfindungen und Wünsche.
  • die Erfahrung, dass sie nicht alle Wünsche erfüllen, Respekt vor den Bedürfnissen anderer erwarten und vor allem keine Gewalt dulden.
  • Anleitungen und Vorbilder für faires Streiten – Gespräche, Rollenspiele, Vorbilder in Büchern und Filmen, aber auch verantwortungsbewusste Trainerinnen und -Trainer in Kampfsportarten wie Judo.

Bei Kindern wie Max, denen Gewalt schon zur Gewohnheit geworden ist, kommen diese Hilfen allerdings nicht mehr an. (Das gilt auch, wenn sie körperliche Ursachen hat, zum Beispiel bei bestimmten Formen des „Zappelphilipp-Syndroms“ ADHS.) Ihre Familien brauchen die professionelle Unterstützung einer Erziehungsberatung. Sie kann allen Beteiligten mit einem sozialen Kompetenz-, Empathie­training und / oder einer Familien­therapie helfen, mehr Verständnis für­einander und für andere zu entwickeln und Alternativen zu gewalttätigem Verhalten einzuüben.

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