Mittwoch, 02:56 Uhr

Gewalttätige Kinder

Streiten erlaubt, Schlagen verboten

Eine Szene im Supermarkt, wie sie x-mal täglich passiert: Max hat im Süßigkeiten-Regal die XY-Nougatschnitten mit Sammelbildern entdeckt, doch seine Mutter meint, zu Hause läge schon genug Naschkram. Max gibt keine Ruhe. Er quengelt, die Mutter wird ärgerlich, Max wird laut. Bis die Mutter findet, dass die Sache den ganzen Aufstand nicht wert sei. Sie ist sauer, aber Max bekommt seine Nougatschnitte.

Auch wenn Max (noch) keine körperliche Gewalt anwendet – er ist auf dem besten (?) Weg dazu. Wenn seine Mutter es genau nimmt: Sie hat schon das Gefühl, ihr Sohn sei ein kleiner Tyrann. Aber sie hat nachgegeben. Und sie hat Max nicht vermittelt, dass er sich mit Grenzen und Frustrationen abfinden muss. Wenn er demnächst mit einem Freund darum zankt, wer ein bestimmtes Spielzeug benutzen darf, wird er vermutlich auch keine Grenze akzeptieren und das Auto um jeden Preis in seinen Besitz bringen – vielleicht sogar mit Gewalt.

Ob Kinder oder Jugendliche zu Gewalt neigen, hängt in starkem Maß von der Erziehung im Elternhaus ab. Ein Kind muss spüren, dass es seinen Eltern wichtig ist und dass seine Empfindungen und Wünsche respektiert werden. Es muss aber auch die Erfahrung machen, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden und dass es Respekt vor anderen Menschen und Dingen haben muss. Anwendung von körperlicher Gewalt oder Schikanen gegenüber anderen Kindern dürfen Eltern nicht dulden. Wer etwas zerstört, muss Wiedergutmachung leisten. Auch sehr vitale und durchsetzungsstarke Kinder müssen diese Grenze kennen lernen. Indem Eltern mit ihnen über Erfahrungen bei Auseinandersetzungen und Raufereien sprechen, wecken und schärfen sie das Empfinden dafür, was in Ordnung ist und was nicht. Die beste Orientierung bietet noch immer der Maßstab: Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.

Bitte keine Missverständnisse: Es geht keinesfalls darum, Konflikte im Elternhaus zum Tabu zu erklären und dafür zu sorgen, dass Kinder sich nicht streiten. Im Gegenteil: Sie müssen lernen, ihre Meinung zu sagen, ihre Interessen zu vertreten, Ärger zu zeigen – aber jeweils mit fairen und nicht verletzenden Mitteln. Ohne Auseinandersetzungen könnten sie auch nicht lernen, Niederlagen einzustecken.

Konflikte, Aggressionen und Erfahrungen von Gewalt lassen sich nicht aus dem Leben verbannen; also müssen Kinder lernen, damit umzugehen. Schläge und Prügel der Eltern sind jedoch in keinem Fall ein geeignetes Mittel, Grenzen aufzuzeigen. Im Gegenteil: Sie gewöhnen Kinder an körperliche Gewalt; kein Wunder, wenn der Nachwuchs dann selbst zuschlägt. Kinder, die von ihren Eltern geschlagen und misshandelt werden, wenden ihrerseits erheblich häufiger Gewalt an als andere.
Wenn ein Kind Gewalt ausübt, ist es nicht hilfreich, in ihm nur den Bösewicht zu sehen, der anderen gern weh tut oder ihnen seinen Willen aufzwingen will. Oft ist Ausübung von Gewalt der Ausdruck von Hilflosigkeit. Wer sich in anderen Bereichen unterlegen fühlt und wenig Möglichkeiten hat, sich Respekt zu verschaffen, versucht es eben „mit Gewalt“. Solche Kinder als böse abzustempeln, macht sie umso mehr zum Außenseiter. Und einfache Freund-Feind-Muster heizen Gewaltbereitschaft eher an.

Aber natürlich müssen Kinder lernen, sich gegen Gewalt zur Wehr zu setzen oder sich ihr zu entziehen. Es ist schwierig zu sagen wie. Gewalt löst Erregung und Angst aus; deswegen kommt es oft zu Überreaktionen und unkontrolliertem Verhalten. Im Zweifelsfall ist es deshalb richtiger, sich kritischen Situationen zu entziehen und wegzulaufen. Nur: „Angsthasen“ werden schnell zur Zielscheibe von Hänseleien und Schikanen. Eine gute Haltung ist: das tun, was zum eigenen Schutz und zur Abwehr von Angriffen notwendig ist – aber nicht versuchen, die eigene Stärke oder Überlegenheit auszuspielen.

Ein Kind will dazu gehören und sich geliebt fühlen, sich fähig fühlen und Einfluss nehmen können. Wenn es ungebührliches Verhalten zeigt, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass eines oder mehrere dieser sozialen Grundbedürfnisse nicht hinreichend erfüllt sind. Hier setzt der Elternkurs „Kess-erziehen“ an und entwickelt zusammen mit den Eltern u.a. Handlungsalternativen für alltägliche Konfliktsituationen. Mehr unter www.kess-erziehen.de

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