Freitag, 03:00 Uhr

Jungen

Indianer weinen doch

Für viele Eltern ist das keine Frage: Selbstverständlich erziehen sie Jungen und Mädchen gleich. Bei der Geburt eines Geschwisterchens schenken sie auch dem großen Bruder eine Babypuppe. Beim Kochen und Abwaschen muss auch der Sohn helfen. Und natürlich verkneifen sie sich Sprüche wie „Indianer kennen keinen Schmerz“.

Alles umsonst? In der Schule zeigt sich plötzlich doch wieder eine fragwürdige „Männlichkeit“ – mit unangenehmen Folgen. Jungen bleiben häufiger sitzen als Mädchen. Auf eine „Hampelliese“ kommen acht „Zappelphilipps“. Nur auf dem Schulhof sind die Jungen die Größten: stark, laut, wild. Nach der Pause gibt es deswegen Ärger mit der Lehrerin.

Jungen haben es schwer. Männer, die ihnen als Vorbild dienen könnten, finden sie kaum. Was die Väter den Tag über tun, bleibt den meisten verborgen. Ihre Welt prägen Frauen: zu Hause die Mütter, im Kindergarten die Erzieherinnen, in der Grundschule die Lehrerinnen. Ersatz für die fehlenden männlichen Vorbilder finden Jungen in Cliquen und in den Medien. Doch deren Einflüsse wirken oft sehr einseitig. Die Tagesschau zeigt: Männer bestimmen, wo’s lang geht. Die Sportschau: Männer laufen Frauen davon. Filme und Serien: Männer sind cool, selbst in höchster Gefahr. Offensichtlich gelten in der Welt andere Gesetze, als Mütter, Erzieherinnen und Lehrerinnen „ihren“ Jungen predigen. Sie sind ja auch keine Männer!

Bloße Ermahnungen und Kritik am MachoGehabe helfen Jungen deshalb wenig. Stattdessen brauchen sie überzeugende Vorbilder:

Väter, Großväter, Paten, Onkel, die

  • nicht das Familienoberhaupt markieren, sondern Partnerschaft in der Ehe vorleben,
  • nicht nur Computer und Fußball mit ihren Söhnen spielen, sondern sich auch fürs Schmusen und Trösten zuständig fühlen,
  • Gefühle zeigen und Niederlagen eingestehen können,
  • Kochen und Bügeln nicht als niedere Aufgaben, sondern als ein Stück Selbstständigkeit begreifen,
  • ihre Söhne auch erziehen – damit nicht immer nur Frauen ihnen Grenzen setzen müssen.

Das Modell „Macho“ beschert Jungen dagegen auf die Dauer nur Probleme. Wer seine wahren Gefühle ständig unterdrückt und nur auf die Wirkung nach außen bedacht ist, erhöht damit vor allem seine Chancen auf einen frühen Herzinfarkt.

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