Mittwoch, 18:49 Uhr

Suchtvorbeugung

Trost statt Schokolade

Hoffentlich passiert so etwas nicht mit meinem Kind! Diese Angst schießt allen Eltern durch den Kopf, wenn Fernsehen oder Tageszeitung wieder einmal über drogenabhängige Jugendliche berichten.

Nur: Wie können Eltern Einfluss auf ihre Kinder nehmen, damit sie nicht süchtig werden? Die bloße Warnung vor Drogen oder Kontrollen, damit die Kinder nur ja nicht damit in Berührung kommen – das reicht allein nicht aus. Die bescheidene Wirkung der immer drastischeren Warnhinweise auf Zigarettenschachteln zeigt das erschreckend.

Die Sorgen der Eltern lösen vor allem die so genannten harten Drogen aus. Die Folgen der Alltagsdrogen Nikotin und Alkohol gelten als weniger dramatisch. Sie sind ja auch nicht gesetzlich verboten. Trotzdem: Die gesundheitlichen und sozialen Schäden, die sie anrichten, sind immens. Und daneben gibt es noch viele andere Formen von Sucht, die gesellschaftlich mitunter sogar akzeptiert sind: Esssucht, Brechsucht, Magersucht, Fernsehsucht, Medikamentensucht, Spielsucht, Arbeitssucht, Eifersucht, Harmoniesucht, Streitsucht …

Die (unvollständige) Aufzählung macht deutlich, dass es bei süchtigem Verhalten erst in zweiter Linie auf den Stoff ankommt. Mindestens ebenso bedeutsam sind die eigentlichen Auslöser – unausgeglichene Gefühlszustände und eine bestimmte, meist sehr eingeengte Art und Weise, damit umzugehen. Das ist der eigentliche Grund, weshalb sich Vorbeugung gegen Abhängigkeit und Sucht eben nicht in Warnungen vor bestimmten Suchtstoffen erschöpfen kann. Es kommt vielmehr darauf an, wie Kinder lernen, mit Wünschen, Ängsten, Konflikten und mit ihren Beziehungen zu anderen Menschen umzugehen.

Jeder Mensch, natürlich auch jedes Kind, möchte sich gut fühlen. Das erstrebte Wohlgefühl lässt sich auf verschiedene Weise herstellen: Bei Hunger und Durst helfen Essen und Trinken. Wenn sich jemand einsam fühlt, dann tut es gut, wenn ihn ein anderer in den Arm nimmt. Unruhe oder Spannungen lassen sich durch Bewegung, Sich-Austoben oder ein gutes Gespräch vertreiben. Aber auch Medikamente oder Alkohol können in solchen Situationen scheinbar helfen. Und wenn Kinder sich weh getan haben, dann hilft Trost, vielleicht aber auch ein Stück Schokolade. Nahezu jeder Mangelzustand, jede Enttäuschung und Frustration lässt sich irgendwie vordergründig „wegmachen“. Aber: Wenn ein Kind nicht lernt, gelegentlich Unangenehmes auszuhalten, dann wird es auch später jedes unangenehme Gefühl wegmachen oder betäuben wollen.

Die Beispiele machen bei genauer Betrachtung deutlich: Es gibt einerseits natürliche, gesunde und andererseits weniger angemessene Möglichkeiten, mit Unwohlsein und Bedürfnissen umzugehen. Wenn bei jeder Form von Kummer, Schmerz oder Frust Süßigkeiten oder Fernsehen zum Trost und zur Beruhigung eingesetzt werden, dann gewinnen sie die Bedeutung von „Allzweckwaffen“; Abhängigkeiten von einem „Stoff“ oder einem bestimmten Beruhigungsmuster werden vorprogrammiert. Und: Das Kind hat keine Möglichkeit, seine wirklichen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen; sie werden ja schnell betäubt. Es kann nicht lernen, sich auf jeweils angemessene Weise zu helfen oder helfen zu lassen – bei Kummer mit jemandem zu sprechen, Unwohlsein oder Langeweile auch einmal auszuhalten und vielleicht sogar als Triebkraft für neue, kreative Lösungen zu nutzen.

Wie also können Eltern vorbeugen gegen Sucht und Abhängigkeiten?

  • Kinder brauchen das Gefühl von Geborgenheit und aufmerksamer, einfühlsamer Zuwendung. Stimmige Beziehungen in der Familie zu erleben, eine Orientierung zu haben, gibt innere Ruhe und Unabhängigkeit von äußeren Reizen.
  • Zugleich brauchen Kinder das Recht auf ihre eigene Meinung, eigene Wahrnehmungen, eigene Gefühle und den Respekt der Eltern davor. Sonst lernen sie nicht, sich und ihre Empfindungen ernst zu nehmen.
  • Kinder müssen lernen, mit unangenehmen Erfahrungen umzugehen. Das lernen sie nicht, wenn die Eltern alle Probleme für sie lösen.
  • Kinder brauchen Anerkennung und Interesse ihrer Eltern und anderer Kinder. Fühlen sie sich respektiert, können sie gegenüber heimtückischen Angeboten wie einem „Joint“ besser Nein sagen.
  • Kinder müssen lernen: Schokolade kann das Leben verschönern; Genussmittel sind aber nicht dazu da, um grundlegende Bedürfnisse zu stillen.

Entscheidend sind hier – wie so oft – nicht Belehrungen, sondern das Beispiel der Eltern. Wie sie sich auf Aufregendes einlassen und Schönes genießen, wie sie Widrigkeiten ertragen – das hilft ihren Kindern, mit Wünschen und Frustrationen umzugehen.

Or use your account on Blog

Error message here!

Hide Error message here!

Forgot your password?

Or register your new account on Blog

Error message here!

Error message here!

Hide Error message here!

Lost your password? Please enter your email address. You will receive a link to create a new password.

Error message here!

Back to log-in

Close