Montag, 18:46 Uhr

Familienleben

Mehr Demokratie wagen!

Ein Familienparlament, das regelmäßig tagt und in dem Mütter, Väter und Kinder gemeinsam darüber entscheiden, wer welche Aufgaben im Haushalt übernimmt und wo die Familie ihre Ferien verbringt?

Und in dem die Kinder ihre Eltern am Ende sogar überstimmen könnten? Noch vor zwei, drei Generationen hätten die allermeisten Erwachsenen über solche Ideen verständnislos den Kopf geschüttelt …

Tatsächlich müssen Väter oder Mütter, die dem Vorschlag namhafter Verfechter einer demokratischen Erziehung folgen und einen „Familienrat“ (Rudolf Dreikurs) oder eine „Familienkonferenz“ (Thomas Gordon) einrichten, auf den ersten Blick ein Stück Macht abgeben. Andererseits haben viele Eltern ihre Kinder seit jeher schon über wichtige Familienangelegenheiten mitreden lassen. Sie erörterten beim Abendbrot, ob es am kommenden Sonntag lieber zum Schwimmen oder in den Zoo gehen sollte, wer Opa bei der Apfelernte helft und wer gleichzeitig zu Hause die Fahrräder putzt und ob es am Samstagmittag statt Gemüsebratlingen nicht doch einmal Pizza geben könnte. Ein Familienrat formalisiert also nur, was viele Eltern vorher ohnehin schon praktizierten. Und wenn die Kinder statt eines bezahlbaren Urlaubs an der Nordsee eine Safari in der Serengeti durchsetzen, können die Eltern immer noch ähnlich wie der Bundesfinanzminister eine Haushaltssperre verhängen.

Atempause

Zehn Entlastungen für Mütter und Väter

  1. Du kannst getrost darauf verzichten, Kinder zu ändern. Wenn du unbedingt jemanden ändern willst, ändere dich selbst.
  2. Kinder brauchen Grunderfahrungen. Du brauchst sie ihnen nicht zu ersparen.
  3. Kindern kannst du nichts vormachen. Also kannst du dich geben, wie du bist.
  4. Du brauchst Kinder nicht wie Kinder zu behandeln. Du kannst sie so ernst
    nehmen wie dich selbst.
  5. Kinder dürfen Fehler machen – genauso wie du.
  6. Du kannst Kindern ruhig sagen, was du denkst. Sie sagen dir dann vielleicht auch ihre Meinung.
  7. Mit Kindern kannst du vernünftig reden. Am besten verstehen sie deine Gefühle, deine Freuden, deinen Ärger, deine Verliebtheiten, deine Enttäuschungen.
  8. Du brauchst Kindern nichts beibringen wollen. Sie lernen sowieso nur, was sie wollen.
  9. Du brauchst Kinder nicht beschäftigen und dir tausend „Förderungsprogramme“ ausdenken. Das können sie allein. Sie werden sich schon melden, wenn sie dich brauchen.
  10. Du darfst Kindern vertrauen.

Conrad M. Siegers

Außerdem verspricht ein Familienrat Eltern durchaus Vorteile

  • Die Kinder sehen, dass wichtige Entscheidungen über das Familienleben nicht über ihren Kopf getroffen werden. Sie fühlen sich ernst genommen; umso eher sind sie auch bereit, sich an die Beschlüsse zu halten und selbst Verantwortung dafür zu übernehmen.
  • Sie lernen, ihre Ideen und ihre Beschwerden zu äußern, aufeinander zu hören und Kompromisse zu schließen.
  • Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Familie wächst.

Und so kann ein Familienrat in der Praxis funktionieren

  • Die Familie bestimmt einen festen Termin in der Woche, an dem niemand andere Verpflichtungen hat, für den Familienrat. Die Sitzungen sollten mit Vorschulkindern nicht länger als 20 Minuten, mit Grundschulkindern höchstens 45 Minuten dauern.
  • Beim ersten Mal übernehmen Mutter oder Vater die Gesprächsleitung und das Protokoll. Bei den folgenden Sitzung können auch Schulkinder diese Aufgaben übernehmen.

Der Gesprächsleiter bzw. die Gesprächsleiterin

  • sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Getränke, eine Kerze …
  • sammelt Vorschläge für die Tagesordnung. Eine gute Hilfe dazu ist ein „Briefkasten“, in den die Familienmitglieder zwischen den Sitzungen Vorschläge einwerfen können.
  • achtet auf die Einhaltung der Gesprächsregeln. Jeder soll zu Wort kommen, jeder darf ausreden.
  • hält die Ergebnisse fest: Was wurde beschlossen? Wer übernimmt welche Aufgaben? (Ein „Protokollbuch“, in dem die Familie ihre Entscheidungen sammelt, erweist sich später womöglich als ähnlich wertvolles Erinnerungsstück wie das Familienalbum.)
  • klärt am Ende, wer die Gesprächsleitung beim nächsten Familienrat übernimmt.

Im Idealfall trifft der Familienrat seine Beschlüsse einstimmig. Gerade bei hoch strittigen Themen wird das allerdings nicht immer gelingen. Dann kommt es besonders auf einen fairen Umgang mit der „Minderheit“ an. Gelingt es, ihr gelegentlich einen Ausgleich zu verschaffen? Am nächsten Sonntag vielleicht auch mal zum Ponyreiten zu fahren? Oft fallen solche Zugeständnisse selbst den wildesten Fußballkerlen im Familienrat viel leichter – weil sie dabei spüren, auch für die kleine Schwester verantwortlich zu sein. Dagegen werden „ewige“ Verlierer den Familienrat bald boykottieren.

Viele Elternkurse unterstützen die Einrichtung eines Familienrates, und Väter und Mütter können sich mit anderen Eltern über ihre Erfahrungen austauschen. Eine Übersicht über verschiedene Elternkurse gibt es unter www.elternbriefe.de

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