Sonntag, 01:51 Uhr

Was tun gegen Missbrauch

Ich sorge dafür, dass es aufhört!

Wie Mütter und Väter bei einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch am besten reagieren.

Für Eltern ist es vermutlich ein tiefer Schock, wenn ihre Kinder von einem Erlebnis erzählen, das nach sexuellen Missbrauch aussieht. Können sie in diesem Moment überhaupt angemessen reagieren?

Martina Huxoll, Kinderschutzbund NRW:
Jedenfalls ist es sehr schwer. Denn die wichtigste Regel, nämlich möglichst ruhig zu bleiben, steht in krassem Widerspruch zu ihren natürlichen Reaktionen. Trotzdem müssen Eltern es versuchen. Denn ihre Reaktion hat großen Einfluss auf die Bereitschaft der Kinder, weiterzuerzählen.

Warum?

Viele Kinder testen zuerst unbewusst: Kann ich mit Mama oder Papa rechnen? Sind sie die Helfer, die ich brauche? Eine sehr aufgeregte Reaktion kann bei ihnen die Befürchtung wecken, eine Lawine mit unabsehbaren Konsequenzen auszulösen; möglicherweise scheuen sie sich dann, mehr zu erzählen. Oder ein unverfänglicher Vorfall bekommt durch die Erregung der Eltern eine unangemessene Bedeutung.

Also ruhig bleiben…

… das Kind erzählen lassen, auch mal nachfragen, aber nicht drängen und vorerst jede Bewertung vermeiden. Eltern müssen keine polizeiliche Aufklärungsarbeit leisten! Wichtig ist vor allem, dass Kinder spüren: Ich kann jederzeit mit Mama und/oder Papa darüber reden. Viele bringen nicht alles gleich beim ersten Mal ’raus, sondern brauchen dafür eine gewisse Zeit und mehrere Anläufe.

Das bedeutet auch, dass Eltern die Erzählungen der Kinder nicht anzweifeln dürfen.

Auch wenn ihnen manches unglaublich erscheint, weil es nahe Verwandte oder gute Freunde betrifft. Je jünger ein Kind ist, desto weniger sind Zweifel erlaubt.

Sollen Eltern ihr Kind auch von sich aus ansprechen, wenn sie aus irgendeinem Grund Verdacht auf Missbrauch schöpfen?

Nein, jedenfalls nicht direkt. Ich würde schon nachfragen, ob bei meinem Kind alles in Ordnung ist, und ihm meine Beobachtungen und Sorgen mitteilen. Aber ich würde die Schublade „Missbrauch“ dabei nicht von mir aus aufmachen.

Zurück zu dem Kind, das selbst zu seinen Eltern kommt: Welches Ergebnis sollte dieses erste Gespräch haben?

Die Eltern sollten ihm versichern: Es ist gut, dass du mir das erzählt hast. Und: Ich kümmere mich darum, dass die schlimmen Erlebnisse aufhören – denn darum erzählen Kinder davon! Wie sie das konkret anstellen, wissen viele Eltern vermutlich auf Anhieb selbst nicht; dann dürfen sie den Kindern ruhig sagen, dass sie sich das noch überlegen müssen. Und für viele Mädchen und Jungen ist ganz wichtig, dass die Eltern ihnen zusichern: Ich tue nichts, ohne vorher mit dir darüber zu sprechen.

Und wie geht es weiter? Vordringlich müssen Eltern doch weitere Kontakte der Kinder zum Täter unterbinden?

Das ist manchmal ein Problem, wenn der Täter aus dem engen familiären Umfeld kommt. Denn auf keinen Fall dürfen Eltern ihn selbst mit dem Vorwurf „Sexueller Missbrauch“ konfrontieren; solche Gespräche erfordern ein professionelles Know-how! Andernfalls könnte das dazu führen, dass der Täter das Kind verstärkt unter Druck setzt. Natürlich gilt es zu verhindern, dass der Täter noch einmal mit dem Kind allein ist. Notfalls müssen Mutter oder Vater sich selbst oder das Kind eben krankschreiben lassen, damit ständig jemand bei ihm sein kann oder es nicht mehr zur Schule gehen muss.

Das wäre der erste Schritt. Und wie finden Eltern die weiteren?

Oft lohnt sich zunächst ein Gespräch mit engen Vertrauten. Vielleicht ist es ja nur die eigene Fantasie, die einen harmlosen Vorfall aufbauscht? Wenn Eltern davon jedoch nicht überzeugt sind, brauchen sie die Hilfe einer Beratungsstelle, die sich mit Fällen von sexuellem Missbrauch auskennt.

Oder die Polizei oder das Jugendamt?

Wenn Eltern unmittelbar Gefahr für Leib und Leben ihrer oder anderer Kinder befürchten, müssen sie natürlich die Polizei informieren. Ansonsten besprechen sie das besser zunächst mit ihrer Beratungsstelle.

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