Mittwoch, 16:55 Uhr

Schwangerschaft

Das Ungeborene unter der Lupe

Die Pränatale Diagnostik verspricht Eltern Sicherheit. Und stürzt manche in heftige Konflikte.

„Wir bekommen ein Kind!“ Neben die erste Freude tritt oft auch die Sorge: Werden wir ein gesundes Kind bekommen? Wird alles gut gehen? Wird sich das Kind im Mutterleib gut entwickeln? Was ist, wenn es krank oder behindert ist? Für diese – manchmal nagenden – Fragen bietet die Medizin eine ganze Reihe vorgeburtlicher Untersuchungen an. Aber kein Test kann letztlich ein gesundes Kind garantieren. Es lohnt sich daher, die möglichen medizinischen Untersuchungen genauer anzuschauen.

Die Richtlinien zur Schwangerenvorsorge sehen regelmäßige Untersuchungen vor. Dabei werden drei Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, um das genaue Entwicklungsalter des heranwachsenden Kindes zu bestimmen, seine äußere Körperform zu betrachten und die Struktur der inneren Organe zu untersuchen. Die allermeisten Befunde sind unauffällig. Sollte sich jedoch herausstellen, dass das Kind krank oder gefährdet ist, kann die Medizin in vielen Fällen helfen. Bei einer sehr schweren Rhesusunverträglichkeit erhält das heranwachsende Kind eine Bluttransfusion über die Nabelschnur, bei einem Wasserkopf werden Drainagen gelegt, die die Flüssigkeit ableiten, ein offener Rücken oder ein gestörter Harnabfluss werden über einen chirurgischen Eingriff geschlossen oder korrigiert. Durch die vorgeburtlichen Untersuchungen haben heute viele Kinder gute Überlebens- und Entwicklungschancen, die früher unweigerlich gestorben wären. Die Untersuchungen können Eltern auch beruhigen, etwa dann, wenn sie schon ein krankes oder behindertes Kind haben.

Wenn alles anders kommt …

Eine Fehl- oder Totgeburt wirft alle Beteiligten aus der Bahn!

Schwangerschaftsberatungsstellen, Trauerbegleiter und erfahrene Familienseelsorger können helfen, mit der Trauer umzugehen und sich gemeinsam in das Leben danach vorzutasten.

Ansprechpartner vermittelt auch der Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland (www.veid.de) und die Initiative Regenbogen (www.initiative-regenbogen.de).

Die Medizin bietet auch Untersuchungen an, die frühzeitig auf eine Chromosomenstörung hindeuten oder diese mit sehr hoher Sicherheit ausschließen. Dazu gehören die Ersttrimester-Diagnostik, die Chorionzottenbiopsie und die Fruchtwasseruntersuchung. Auch einige Erbkrankheiten können mit gezielten Gentests sehr sicher ausgeschlossen werden. Viele Erkrankungen lassen sich jedoch nicht nachweisen, etwa geistige Behinderungen, Stoffwechselerkrankungen oder körperliche Behinderungen. Auch mit pränataler Diagnostik bleibt für die Eltern deshalb ein Basisrisiko, dass Krankheiten oder Behinderungen ihres Kindes erst nach der Geburt festgestellt werden.

Der Wunsch der Eltern nach Gewissheit über die Gesundheit ihres Kindes ist nachvollziehbar. Wenn bei der pränatalen Diagnostik aber eine schwere Krankheit oder Behinderung nachgewiesen wird, bedeutet dies eine sehr krisenhafte, enorme Belastung. Einerseits können die werdenden Eltern dann zwar versuchen, sich schon früh auf das Leben mit ihrem Kind vorzubereiten. Andererseits müssen sie sich – neben eigenen Zweifeln, ob sie dieser Aufgabe gewachsen sind – womöglich mit Ärzten, Verwandten, Kollegen oder gar einem Partner auseinandersetzen, die ein behindertes Kind als „unzumutbar“ empfinden und eine Abtreibung für die „gebotene“ Lösung halten. Schwangerschaftsberaterinnen empfehlen deshalb dringend, die pränatale Diagnostik nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern sich vorher gründlich über deren Chancen, Grenzen und mögliche Folgen zu informieren.

Dabei kann es helfen, sich mit einigen Fragen auseinanderzusetzen:

  • Welches Risiko ist uns die Untersuchung wert?
  • Welche Konsequenzen würden wir aus einer auffälligen Diagnose ziehen?
  • Wie gehen wir mit der Unsicherheit bis zum endgültigen Ergebnis um? Was bedeutet das für die Beziehung zu unserem Kind?
  • Was würde es für uns bedeuten, wenn wir ein krankes oder behindertes Kind bekämen?

Bei all den Fragen und Informationen rund um die medizinischen Untersuchungen bleibt es wichtig, auch den eigenen Gefühlen Raum zu geben. Es muss Platz sein für: „Ich brauche Zeit, alles noch einmal in Ruhe einzuordnen.“ – „Ich habe noch Fragen.“ – „Das habe ich nicht verstanden.“ – „Die Ungewissheit macht mir Angst.“

Zuletzt gilt bei allem Verständnis für den Wunsch nach einem gesunden Kind: Das Lebensrecht und das unbedingte Schutzbedürfnis des Kindes lassen sich nicht zum Gegenstand von Abwägungen machen. Ein Kind zu erwarten bedeutet immer auch, die Grenzen des menschlich Machbaren zu erkennen und die Ungewissheiten des Lebens zu akzeptieren. Ängste davor lassen sich nicht „weguntersuchen“. Hilfreich sind oft gerade auch Gespräche mit einem verständnisvollen Partner, mit Freundinnen, einer Hebamme, einer Schwangerschaftsberaterin oder einem Seelsorger.

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