Montag, 19:18 Uhr

Schwangerschaft

Das Wunder in meinem Bauch

Ihre erste Schwangerschaft erlebte Marianne Willemsen, heute Mutter von zwei Kindern, als Wechselbad der Gefühle. Und als eine sehr intensive Zeit.

„Bei Ihnen liegt eine Schwangerschaft vor.“ Während der Arzt seine medizinischen Erläuterungen anschließt, wird mir fast schwindelig vor Freude. Ich bin schwanger! Wie um mich selbst zu vergewissern, lege ich einen kurzen Moment die Hände auf meinen Bauch. Ein Kind will durch mich in die Welt hineinwachsen. Ich darf es schützen, wärmen und nähren, so gut ich kann. Ich bin seine Mutter.

Die folgenden Wochen vergehen in aufgeregter Vorfreude. Immer wieder versuche ich mir vorzustellen, was mich in den nächsten Monaten erwartet, wie es sein wird, wenn wir dann irgendwann zu dritt sind. Ich fühle mich, als hätte mich ein Hauch von Schöpfung gestreift. Gleichzeitig stellen sich aber auch Zweifel und Ängste ein. Werden wir unserem Kind geben können, was es braucht? Wird es uns und unsere Beziehung nicht überfordern?

Segen in der Schwangerschaft

Gesegnet sei die Frau,
die ein Kind in ihrem Bauch
wachsen lässt.
Gesegnet sei der Mann,
der Frau und Kind in seine Arme nimmt.
Gesegnet sei das Kind,
es möge wachsen und gedeihen,
dem Leben entgegenstreben
und zu seiner Zeit die eng werdende
Behausung verlassen,
um von Vater und Mutter empfangen
zu werden als ihr Kind.

Amen

Außerdem bekomme ich schnell eine Ahnung davon, dass das Wunder, das sich in meinem Bauch Raum schafft, nicht spurlos an meinem Körper vorüber gehen wird. Nachts wache ich halbverdurstet auf, tagsüber kann ich mich bisweilen vor Müdigkeit kaum auf den Beinen halten. Immer wieder bin ich gezwungen, meinen Arbeitsrhythmus meinen körperlichen Bedürfnissen anzupassen: ruhiger und entspannter zu arbeiten, in der Mittagspause ein paar Schritte gehen, rechtzeitig Feierabend zu machen. Nicht so einfach. Ich merke, dass meine Lebens- und Alltagsgestaltung nicht mehr alleine in meiner Hand liegt. Ich beginne nach langer Zeit wieder zu meditieren: abzuschalten, in mich hinein zu hören, meinen Gefühlen Raum zu geben und die ersten Bewegungen des Kindes wahrzunehmen. Ich lerne, die leisen Töne in unserem Zusammenspiel mitzubekommen und ihnen nachzugehen. In dem Maße, in dem ich bei mir selbst zu Hause bin, verschwinden meine Unsicherheiten.

Mit der Zeit schränkt der wachsende Bauch die Beweglichkeit mehr und mehr ein. Ich fühle mich unbeweglich und „dick“, kann nicht mehr „schnell mal eben“ dieses oder jenes machen. Ich übe laut und deutlich „Nein!“ zu sagen und auf meinen eigenen, langsamen Lebensrhythmus zu achten. Mehr als zu Anfang der Schwangerschaft spüre ich, dass ich über die Gesetze des Lebens nicht verfügen kann. Langsam lerne ich, meine Ansprüche zurückzustellen, weniger zu bestimmen und zu kontrollieren und mehr zu genießen, was mir begegnet. Eine neue Lebenserfahrung. Schön.

Schwanger ohne den Vater an der Seite

Nicht alle schwangeren Frauen können oder wollen mit dem Vater des Kindes in einer Beziehung leben. Manche haben sich in einem schwierigen Prozess entschieden, die Schwangerschaft anzunehmen. Sie stehen vor der Aufgabe, ihr Kind alleine groß zu ziehen.

Das Alleinsein während der Schwangerschaft ist eine große Herausforderung für die werdende Mutter: Eine wichtige Stütze, mit der die Freuden und Sorgen geteilt werden können, fehlt. Umso bedeutsamer werden andere nahestehende Personen: Freundinnen und Freunde, Geschwister, die eigenen Eltern, Frauen in einer ähnlichen Lebenssituation …

Zusätzliche Unterstützung bieten

Dazwischen gibt es immer wieder Tiefpunkte und Ängste: Wie attraktiv bin ich noch als Frau? Ist das Kind, das in mir wächst, gesund? Wie werden wir mit der Veränderung nach der Geburt fertig? Mein Mann lässt keine Gelegenheit aus, mir mit viel Liebe und Zärtlichkeit zu zeigen, wie er mit mir diese Schwangerschaft erlebt und bereit ist, die Anstrengungen und die Arbeit mit mir zu teilen, die das Leben mit einem Kind bedeutet.

Dann ist es soweit. Die Wehen haben begonnen. Immer wieder habe ich in der Schwangerschaft versucht, mir diesen Schmerz vorzustellen. Die Wehen werden langsam heftiger, schmerzhafter. Ich habe Zeit zu üben, mich gehen zu lassen und die Schmerzen hinaus zu stöhnen. Ich versuche, die Kontrolle abzugeben und mich zu überlassen: dem Schmerz, meinem Kind, den liebevollen Händen meines Mannes und der Hebamme. Als die Schmerzen fast unerträglich heftig und die Wehenpausen immer kürzer werden, möchte ich fast aufgeben. Ich habe Angst, es doch nicht zu schaffen. Doch dann setzen die Presswehen ein. Noch einmal konzentrieren, die letzten Kräfte bündeln – dann ist das Köpfchen da und endlich liegt das kleine glitschige Bündel auf meinem Bauch. Ich bin überwältigt – vom Schmerz, vom Glück, von der unendlichen Kraft und Schönheit des Lebens.

Die Geburt hat mich verändert. Am eigenen Leib habe ich erfahren, wie sehr wir Menschen eingebettet sind in das Wunderwerk der Schöpfung. Nie zuvor habe ich begriffen, wie nah Hingabe und Geburt, Loslassen und Erfüllung, Sterben und Auferstehen beieinander sind und wie viele Höhen und Tiefen dazwischen liegen. Die Geburt meiner Tochter hat mir die Augen geöffnet für die Schönheit des Lebens und die Verantwortung, die wir nun übernehmen können, wenn wir uns selbst in der Hand Gottes geborgen fühlen.

Or use your account on Blog

Error message here!

Hide Error message here!

Forgot your password?

Or register your new account on Blog

Error message here!

Error message here!

Hide Error message here!

Lost your password? Please enter your email address. You will receive a link to create a new password.

Error message here!

Back to log-in

Close